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 ZOÓN. Das Tiermagazin, Ausgabe 1
Name: martin Permalink: http://tierrechtsforen.de/1/7645/8739

Datum: 06.06.10 16:59
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ZOÓN. Das Tiermagazin, Ausg. 1 (Mai/Juni 2010): Die liebe Verwandtschaft, Natur-und-Tier-Verlag, Berlin

"Tierfreunde" sind bereits eine suspekte Spezies, aber "Tierliebhaber" sind ein Phänomen, das der gemeine Tierrechtler nur mit Stirnrunzeln beäugen kann. "Liebhaber" könnte auch für "Interessierte" stehen - es sind Menschen, die nichtmenschliche Tiere unter dem Aspekt ihres Nutzens für den Menschen betrachten.

ZOÓN (griech. für 'Tier') ist eine relativ neue Zeitschrift dieser Richtung. Ein "Tiermagazin", das im Gegensatz zu anderen Tiermagazinen einen recht breiten Querschnitt durch das Spektrum der Mensch-Nichtmensch-Beziehungen bietet. Natürlich auch nicht ohne Auswahl und Fokussierung: während der größte Teil den "interessanten" Spezies gewidmet ist, werden die "Nutztiere" nur angerissen und das auf eine für sie - wie nicht anders zu erwarten - wenig schmeichelhafte Art und Weise.

Dominierend bei einem kritischen Blick auf den menschlichen Umgang mit den anderen Zoóns ist der Artenschutz. Tiere zu töten ist ein Verlust, zumindest, wenn sie nicht in ausreichender Anzahl in Zoos, Terrarien oder Aquarien leben oder zumindest ordentlich in Fotos und Tierfilmen festgehalten wurden. So weiß Christian Grzimek (der Sohn Bernhard Grzimeks) im Interview zu berichten, dass es zu kämpfen lohnt, für den Erhalt der "Vielseitigkeit und [des] Reichtum[s]" der Erde. Sein Kollege im Geiste, Wladimir Klitschko, der "schon immer ein Tierfreund" war, gibt bekannt, dass er sich nun für Delfine einsetzt. Obwohl es von denen ja noch einige gibt. Anders als die "Top 25 der aussterbenden Primaten", so eine Übersicht im Heft - hier hat der Mensch gründlichere Arbeit geleistet. Bei einer anderen Spezies ist er fast fertig: die drei Seekriege um "Kabeljau-Fanggründe" zeigten, dass es hier nicht mehr lange etwas zu holen gibt, wie in einem weiteren Artikel nüchtern dargelegt wird. Dem Kabeljau kann man ein Aussterben eigentlich nur wünschen, anders wird er der menschlichen Tötungsmaschinerie nicht entgehen können.

Anders als die Kuh, der durch einen Artikel über Florian Werners Buch "Die Kuh. Leben, Werk, Wirkung" auch ein Platz im Magazin gewährt wurde. An dieser Stelle kommt dann wieder das Stirnrunzeln ins Spiel: Die Kuh, so wird geschrieben, sei "die wohl älteste Freundin des Menschen". Freundschaft? Nun, wohl höchstens eine Caesar-Brutus-Freundschaft im Endstadium. Der folgende Abriss der seit Jahrtausenden währenden Ausbeutungsgeschichte verleitet zu weiteren Stirnrunzlern. Das Verhältnis zwischen Herrenspezies und Sklave Mensch und Kuh sei "wechselseitig", beinahe "symbiotisch", denn "die Kuh machte sich umgekehrt auch den Menschen und dessen Abhängigkeit von ihr als Milch-, Fleisch- und Zeugtier zunutze". Wie sie das "machte", wird nicht gesagt. Auch nicht, welche Vorteile sie sich vom Ausgebeutetwerden zu versprechen hätte. Das Phänomen, was hier zu beobachten ist - die Schuld für ein Gewaltverhältnis auf die Opfer zu schieben - ist jedoch nicht unbekannt.

Unfreiwillig ehrlich beginnt der Artikel über "Schädlingsbekämpfer": "Mario Heising ist Schädlingsbekämpfer. Als Auftragskiller bezeichnet zu werden, wäre für ihn und seine Kollegen eine Beleidigung. Natürlich, faktisch mag es stimmen, sie töten im Auftrag und für Geld", aber hören wollen sie so etwas natürlich nicht. Doch weiß er zu berichten: "Viele der als Schädling oder Lästling verschrienen Tiere würden erst dadurch dazu, weil der Mensch in ihre Habitate eindringe." Außerdem: "Wir können nicht immer alles töten, was uns nicht gefällt." Wohl aber fast immer. Darüber, dass bei aller "Schädlingsbekämpfung" auch schon so mancher Hund und so manche Katze vergiftete Köder gegessen hat, wird hier nicht berichtet. Es würde auch nicht so ganz ins Konzept der Zeitschrift passen, von Schädlingen und Nützlingen in einem Artikel zu sprechen - die Sphären mögen sauber getrennt bleiben.
Wie die Faust aufs Auge der Scheinheiligkeit passt der Artikel zum italienischen Fernsehkoch, der Anfang des Jahres entlassen wurde, weil er in seiner Sendung darauf hinwies, dass früher auch Katzen gegessen wurden. Der Autor führt für seine Vorhaltung, Katzen zu töten sei nicht in Ordnung, ein Zitat aus dem italienischen Tierschutzgesetz an, das sich wörtlich auf "Haustiere" bezieht (nicht nur "Tiere" oder gar "Nutztiere"). Zum Glück, sonst müssten Hunderte andere Kochsendungen mit Vogel-, Rinder- und Schweineleichen auch kritisiert werden. Aber das ginge den "Tierinteressierten" sicher zu weit.

Neben all den Berichten und Artikeln bemüht sich das Magazin auch um formale Breite und so findet sich auch Literatur. In einer lustigen (?) Tiergeschichte wird etwas verfehlte Sprachkritik betrieben, die (unfreiwillig?) ein weiteres Mal offenlegt, wie schnell ein Tier von "Nützling" zum "Schädling" umkategorisiert wird, wenn es nicht den menschlichen Erwartungen entspricht. Der Storch dieser Geschichte brütete nicht, wo er sollte, sodass er seinen Nutzen als Anschauungsobjekt (und damit seine Existenzberechtigung) unvorteilhafterweise verlor: "'Du hast also den Storch umjebracht.' 'Toni, wat heißt hier umjebracht. Ick habe ihn erlegt. Dit is 'n Wildtier. Man spricht von 'erlegen'. Oder wie nennst du dit, wenn de beispielsweise angelst. Nennste dich dann ooch Fischmörder? Oder Angeler?' 'Beim Stroch isset ja wohl wat andret.'" Oder nicht? Ich würde sagen, beide sind Mörder.

Das Titel-Thema dieser ersten Ausgabe wird neben kleineren Beiträgen in zwei Artikeln bedacht. Im einen wird, wenn über Kultur und kulturelle Vererbung bei Affen berichtet wird, der geläufige Anthropozentrismus doch etwas angekratzt. Das Besitzen von Kultur war schließlich eine der neueren, "absoluten" Grenzen zwischen Menschen und anderen Tieren, nachdem die traditionellen, wie z.B. der angebliche Nicht-Besitz von Sprache, weggefallen sind. Aber das Ankratzen bleibt oberflächig, denn zum Schluss wird erleichtert konstatiert, dass Menschen doch mehr und komplexere Kultur haben. Hier wurde das Abrutschen ins Animalische also verhindert.
Im nächsten Beitrag über die genetische Ähnlichkeit von Menschen und – so der Titel – anderen Affen liest man, dass die Trennung dieser beiden durch die Einteilung von Menschen in die Gattung homo und Schimpansen und Bonobos in die Gattung pan nach neueren Ergebnissen zweifelhaft ist. Alle drei müssten in der gleichen Gattung stehen. Aber nur hypothetisch, denn den Menschen in eine (nicht unabsichtlich) negativ konnotierte Gattung zu schieben oder andere Tiere in die des Menschen, schmeckt bei aller biologischen Richtigkeit dem Speziesismus doch nicht.

Fazit: Auch wenn die eine oder andere Information ganz nützlich, kann man nicht viel Neues aus diesem Tiermagazin lernen. Wie die Selektionskriterien bei "Tierfreunden" oder "-interessierten" funktionieren, ist grundsätzlich bekannt: es gibt Schädlinge und Nützlinge. Welche Spezies wo einsortiert wird, schwankt bei einigen, bei anderen steht sie eindeutig fest. Entweder nützen sie dem Menschen oder sie haben zu verschwinden. Fragt sich, wo die nichtmenschlichen Tiere den Menschen einordnen würden.

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