Tierrechtsforum
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 Re: Vertragstheorie, Leidvermeidung
Name: Jörg HartmannJörg Hartmann Permalink: http://tierrechtsforen.de/1/7406/9729

Datum: 26.07.12 14:52
Dieser Beitrag wurde 2562 mal gelesen

martin schrieb:
>
> > Fangen wir mit der Klammer an: Du kannst ein "elementares
> > Recht" nicht "per Analogie" zu ihm selbst, also mit Verweis
> > darauf begründen, dass es eben irgendwo schon "existiert",
> > anerkannt ist. Das ist ein rein deskriptiver Zirkel. Das ist
> > genau gar nicht argumentativ.
>
> Wenn man das Ziehen von Analogien isoliert, kann man
> vielleicht wie du argumentieren. Ich habe jedoch
> vorausgesetzt (wohl vorschnell), dass man
> Selbstverständlichkeiten mitbedenkt. Die sind hier: Nicht das
> Ziehen der Analogie zu anderen Rechten ist das Argument
> allein, sondern, unter der Maßgabe, dass diese anderen Rechte
> gut begründet sind, eben diese Begründung. (Erstens, und
> zweitens die daraus resultierende Notwendigkeit logischer
> Konsistenz.) Heißt: Dass (die meisten) nichtmenschlichen
> Tiere elementare Rechte erhalten sollen, ist nicht deshalb
> notwendig, weil es diese Rechte bei Menschen gibt, sondern
> weil diese bei Menschen einer Begründung unterliegen, die für
> die nichtmenschlichen Tiere ebenso zutrifft. (Und man diesen
> Widerspruch nicht ignorieren kann, ohne inkonsistent zu
> handeln.)

Eben diese (angebliche) Begründungs bleibst Du aber schuldig bzw. drückst Dich mit eben jener Analogie darum.

> > Und genau dieses "war schon immer so" ist Dein
> > "kontraktualistisches Verständnis", denn dort soll es
> > angeblich in grauer Vorzeit zwischen Leuten, von denen wir
> > irgendwie (teilweise) abstammen, auf Basis irgendwelcher
> > "Naturzustands"-Frustrationen ein allgemeines implizites
> > Übereinkommen zur Errichtung einer "legitimen staatlichen
> > Ordnung" gegeben haben.
>
> Ich sehe das Problem. Du verwechselst (bzw. vermischst)
> Kontraktualismus mit Naturrecht.

Nö. Ich schrieb "Naturzustand" ("status naturalis"), nicht "Naturrecht".

> Kontraktualismus ist das Gegenteil von Naturrecht.

Noch weniger. Beide erklären dasselbe: Die Legitimität der bestehenden Ordnung. Beide greifen dabei auf obskure Vorannahmen zurück: "Naturrecht" bzw. göttlicher Wille oder eben ein imaginärer "Gesellschaftsvertrag" als vermeintlich historische Überwindung des "Naturzustands". Allerdings haben die Erfinder der Vertragstheorie an die tatsächliche Historizität gar nicht geglaubt. Überwunden wurde beides zunächst durch verschiedene rechtspositive Ansätze. Und auch die sind in reflektierten Teilen der Gesellschaft nur noch ein alter Hut, wofür gibt es schließlich Herrschaftsdekonstruktion, spätestens seit Max Weber sogar weitgehend etabliert (außer in den Zirkeln der Macht selbst, versteht sich).

>
Zitat:
Vertragstheorie, eine sozialphilosophische Anschauung,

> nach der sich die Menschen als gleiche und freie Wesen
> aufgrund eines Vertrages (Kontraktes) zu Staat und
> Gesellschaft zusammengetan haben
. Der Kontraktualismus
> geht von der Vernunft der Menschen aus und basiert auf dem
> Tauschprinzip; so geben bei T Hobbes die Menschen ihre je
> spezifische Macht auf, um Sicherheit von ihren Mitmenschen
> einzuhandeln, so verzichten aus dem gleichen Grund bei J.-J.
> Rousseau die Menschen auf ihre natürliche Freiheit. Die
> Vorstellung eines Gesellschaftsvertrages löste in der
> bürgerlichen Gesellschaft die als irrational angesehene
> Vorstellung einer natürlichen Soziabilität des Menschen - und
> damit zugleich der Natürlichkeit der societas civilis -
> ab
, indem die Herrschaftsverhältnisse nun vom rationalen
> Handeln der Menschen abhängig gemacht werden.
>
> (http://www.wirtschaftslexikon24.net/e/kontraktualismus/kontraktualismus.htm)

> Die zweite Unterstreichung ist das, was du wohl im Sinn hast.

Quatsch.

> Kontraktualismus sagt hingegen, es gibt keine natur- oder
> gottgegebenen Rechte. Alle Rechte, sind ausgehandelt ...

Also nur ein anderer Aberglaube. Ein lähmender noch dazu.

> > Abgesehen davon, dass sämtliche Vertragstheorien nur
> > Gedankenexperimente und daher zur Erklärung "bestehender
> > Rechte" per se untauglich sind,
>
> So halb. Es ist richtig, dass gegenwärtiges Recht
> verschiedene Begründungen und Prinzipien hat. Das ändert nur
> nichts daran, dass ein rein kontraktualistisches Recht ein
> Ideal ist bzw. sein sollte (und etwas anderes habe ich nicht
> gesagt).

Du meinst vielleicht, dass Normen, soweit überhaupt vorhanden, auf Vereinbarung, also auf Konsens basieren bzw. konsequenter: sich eben darauf beschränken sollten. Das ist, als reines Ideal, aber Anarchie, nicht Vertragstheorie. Letztere hat die bestehende Ordnung in ihrer - nicht bezweifelten - Legitimität nur anders erklären wollen. Deshalb sollten alle Veränderungen auch von der bestehenden Ordnung (quasi durch Vertragsänderungen) ausgehen. Das ist aber eben gerade kein Konsens.

> > Dass auch sogenannte Freiland- oder Bioeier nicht leidfrei
> > "produziert" werden, ist ja Konsens (unter uns jedenfalls).
> > Dass empfindsame Wesen prinzipiell motiviert sind, ihr
> > eigenes Leid zu reduzieren, ebenfalls. Daher ist es offenbar
> > nicht nur summarisch sondern auch interindividuell eine
> > sinnvolle Strategie, auch im Umgang miteinander gegenseitig
> > Leid zu vermeiden, zumal komplett unnötiges. Wende dies auf
> > die Eier an, und Du kommst ohne "Gedankenexperimente" aus -
> > und ohne Fehl- und Zirkelschlüsse.
>
> Und wenn jemand sagt, ihm oder ihr sei Leidvermeidung egal
> und wenn er Eier essen wolle, werde er oder sie das tun? Wenn
> diese Person fragt, mit welche Recht du sie davon abhalten
> willst?

Dann gibt Deine Vertragstheorie auch nur die Antwort: Weil das (angeblich) irgendwann mal irgendwer für Menschen vereinbart hat. Viel Spaß bei der Vertragsänderung (Gegenstandserweiterung) zu Gunsten nicht-menschlicher Tiere.

Jörg
aktiv u. a. bei http://getup.tk/, http://nandu.net/, http://vegan-in-potsdam.de/
+49 331 28129465

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