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 Boshaftigkeit trifft auf Gleichgültigkeit: Telepolis und der Presserat
Name: Reina Permalink: https://tierrechtsforen.de/1/9922

Datum: 27.03.14 18:23


Telepolis Redakteur Peter Mühlbauer schmäht in seinem Artikel "Extremer Veganismus schädigt das Hirn" [1] wieder einmal Veganer (Veganer-Bashing ist nach seinem Redaktionskollegen Florian Rötzer ja auch gerade in..). Er suggeriert, Veganer würden aus "ideologischen Fanatismus" ihr Hirn sowie Kinder und Haustiere schädigen.
Dass dies nicht nur mein Eindruck ist, zeigt sich an der Diskussion im zugehörigen Artikelforum unter Beitragstiteln wie "Veganer haben einen Dachschaden", "Die Welt ist voll mit Extremspinnern", "Solchen Leuten hat man in der DDR die Kinder weggenommen" etc. ..
Desweiteren spekuliert P. Mühlbauer über eine solche Hirnschädigung beim Verfasser (Anm. Achim Stösser) einer kleinen FAQ Seite zur veganen Hundeernährung, obwohl es auch dort ausdrücklich heisst: "selbstverständlich ist auf eine ausreichende Zufuhr der notwendingen Stoffe zu achten".


Ich hatte daraufhin eine Beschwerde beim Presserat formuliert aufgrund eines ethischen Verstosses gegen die Ziffern 2 (sorgfältige Recherche), 10 (Schmähung weltanschaulicher Überzeugung) und 14 (unbegründet sensationelle Darstellung medizinischer Themen, um Befürchtungen zu wecken) des Pressekodex.


In der Beschwerde hatte ich auch kurz erklärt:
- was Veganismus eigentlich bedeutet
- die B12 Thematik und vegane Aufklärungsarbeit
- den tatsächlichen Bezug zur Rohkost im Gegensatz zum Veganismus


Ergebnis:

Der Presserat hat den "Chefredakteur" von Telepolis (also vermutlich den Autor selbst) Stellung nehmen lassen:

Dieser erklärt, dass mit dem Begriff "extreme Veganer" verdeutlicht wurde, dass es nur einen "besonders radikalen Teil der Veganer" ging, die Supplementierung ablehnen. Das B12 Problem sei hier real und von öffentlichem Interesse, die Beschwerde daher komplett unbegründet.
Auf die Widersprüche zu meiner Beschwerde, dass B12 Mangel bei Rohkost gemeint sei, dieser dann aber bei einem ethischen Veganer spekulativ diagnostiziert wird, geht er gar nicht ein.

Daraufhin der 5-köpfige Beschwerdeausschuss:

Kritische Äußerungen über extreme Formen von Veganismus ist keine Schmähkritik. Der Beschwerdeausschuss folgt dem Autor Mühlbauer sogar auf seiner seltsamen gedanklichen Brücke von Rohköstlern als "extreme Veganer" zur veganen Hunde- und Katzen-Ernährung: Der Vorwurf eines "idiologischen Fanatismus" sei belegt mit dem "realitätsfernen Eintrag eines Extremveganers" in der veganen Hunde FAQ! Auch die hier erfolgte Unterstellung eines "für Veganer typischen B12 Mangels" sei eine zulässige Zuspitzung von Kritik!

Entscheidung: einstimmig: Beschwerde unbegründet.

Der Beschwerdeausschuß macht sich sogleich die Behauptung von P. Mühlbauer zu Eigen, dass es hier gar nicht um weltanschauliche Überzeugung oder unbegründet sensationelle Darstellung medizinischer Themen ginge. Zudem teilt oder akzeptiert er dessen implizierte Wertungaussagen: konsequent vegan ist "extrem" und "realitätsfern", B12 Mangel ist "für Veganer typisch". Fehlende Substanz und Belege für Kritik stören ihn nicht. Und die unangebrachte Übertragung der "Kritik" auf Veganer generell macht er ohne genauer Hinzuschauen gleich noch selber!


Das heisst dann also: da Hunde vegan ernährt werden können und ethische Veganer dies daher auch tun, sind sie nach dem Presserat realitätsfern, also extrem. Und extremer Veganismus ist gefährlich, da die Ablehnung von Supplementen ebenfalls extrem genannt werden kann. Solchen Extremisten ist dann wohl jede Art von Extremismus zuzutrauen, da muss man nicht näher hinschauen. Somit kann man unterstellen, dass Veganer, die ja irgendwie "extrem" sind, möglicherweise einen typischen Hirnschaden aufweisen - ohne dass damit eine Schmähkritik vorläge. Ganz klar.

Bleibt nur eine Frage: wenn der Ehrenkodex der Presse sich mit dem undifferenzierten Wörtchen "extrem" so einfach umgehen lässt, gilt das ja nicht nur für Veganer. Welche Schutzwirkung hat der Presserat dann überhaupt und wozu ist der überhaupt da.. ?

Vielleicht lassen sich Veganer auch einfach so viel gefallen, dass der Presserat sich nicht genötigt sieht, sich auch nur etwas dabei zu bemühen, die vorliegende Thematik zu verstehen...



[1] http://www.heise.de/tp/artikel/40/40689/1.html

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 abgeleiteter Vorschlag
Name: Reina Permalink: https://tierrechtsforen.de/1/9922/9923

Datum: 28.03.14 13:54

Im obigen Schmähartikel wie auch in der Behandlung durch den Presserat wurde das FAQ Hundeernährung von veganismus.de als belegbares Beispiel für negativen "Extremveganismus" gesehen.

Ich denke, man sollte gerade hier an diesem kritischen Punkt wirklich etwas sensibler mit speziesistischer Borniertheit umgehen:

Die FAQ Hundeernährung enthält recht pauschalkritische Äußerungen zur etablierten Veterinärmedizin und kontert dann Bedenken mit dem Satz:
"selbstverständlich ist auf eine ausreichende Zufuhr der notwendingen Stoffe zu achten"

Ein unvoreingenommener Leser sollte damit tatsächlich begreifen, dass es hier nicht um unverantwortliche, idiologische Ernährungsexperimente geht und man vielmehr eine solche bedarfsgerechte Hundeernährung auch nicht idiologiefrei kritisieren kann.

Aber tritt man ein Schritt zurück, sieht man, dass manche Rohköstler nicht ganz unähnlich argumentieren. Pauschalkiritk gegen die Medizin und die Angemessenheit der Ernährung wird dann allenfalls sehr obskur belegt.

Daher sollte man hier imho unbedingt deutlich machen, dass es eben auch besonderer Achtsamkeit und/oder Supplemente bedarf, um die bedarfdeckende Nährstoffversorgung sicherzustellen und dass man sich dafür natürlich weiter informieren muss, als es diese FAQ leisten kann.

mfg, Reina.

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 Re: Freudscher Verschreiber...
Name: Reina Permalink: https://tierrechtsforen.de/1/9922/9924

Datum: 28.03.14 13:56

irgendwie muss ich bei Stichwort Ideologie wohl mittlerweile immer an idiotisch denken...

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