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 NRW verbietet Töten von Eintagsküken: Auch das Brüderchen soll leben dürfen
Name: Achim StößerAchim Stößer Permalink: https://tierrechtsforen.de/13/2184/2213

Datum: 09.10.13 22:21
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Weil sie weder für die Eierproduktion noch für die Mast zu gebrauchen sind, werden Millionen männliche Küken in Deutschland direkt nach dem Schlüpfen getötet. Das Land NRW will dieses Töten nun untersagen - weiß aber auch nicht, was mit den Tieren geschehen soll.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Staatsanwaltschaft Münster. Diese hatte in einem Verfahren gegen eine Kleinbrüterei im Kreis Coesfeld festgestellt, dass das Töten männlicher Küken tierschutzwidrig ist. Bisher ist es noch gängige Praxis in Europa, dass männliche Küken von Legehennenrassen getötet werden, weil sie keine Eier legen und auch kein Fleisch ansetzen - für die Betriebe also wirtschaftlich gesehen nutzlos sind. Die Tiere werden direkt nach dem Schlüpfen entweder geschreddert oder vergast. Betroffen sind nach Angaben der Tierschutzorganisation Peta pro Jahr 50 Millionen männliche Küken. Doch das verstoße gegen das Tierschutzgesetz und sei damit strafbar, befand die Staatsanwaltschaft.

Diese strafrechtliche Bewertung der Staatsanwaltschaft hat das NRW-Verbraucherschutzministerium nun zum Handeln veranlasst.

Zitat:
§ 17 Tierschutzgesetz

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder
2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.


"Wir freuen uns über die Einschätzung der Staatsanwaltschaft Münster. Das ist ein deutliches Zeichen für den Tierschutz. Diese leider weitverbreitete Praxis muss so schnell wie möglich gestoppt werden", erklärte Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) am Donnerstag (26.09.2013) in einer Mitteilung. Die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren gegen die Brüterei zwar wegen "Verbotsirrtums" eingestellt, weil die Brüterei es nicht besser habe wissen können. Gleichzeitig habe die Staatsanwaltschaft aber festgestellt, dass es im Sinne des Tierschutzes keinen vernünftigen Grund für die Tötung gebe und die Praxis somit gegen das Tierschutzgesetz verstoße, so das Ministerium. Zwar regele die EU die Art und Weise der Tötung von männlichen Küken, nicht aber, ob die generelle Tötung männlicher Küken einen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes darstelle, erklärte eine Ministeriumssprecherin.

NRW ist Vorreiter

Mit dem Erlass werden die Ordnungsbehörden nun angewiesen, den örtlichen Betrieben das Töten von so genannten Eintagsküken zu verbieten. Nach Angaben des Ministeriums sind davon bis zu 15 Brütereien in NRW betroffen. Die Behörde geht davon aus, dass das Verbot nach einigen Übergangsfristen für die Betriebe in einem Jahr vollständig umgesetzt sein könnte. "Wir sind damit Vorreiter in Deutschland", betont die Ministeriumssprecherin. Die Entscheidung der Landesregierung sei richtig und konsequent, betonte auch der Präsident Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, laut einer Mitteilung. "Wir fordern alle Länder auf, dem Beispiel zu folgen", so Schröder.

Wohin mit den Küken?

Was allerdings mit den männlichen Küken zukünftig geschehen soll, regelt der NRW-Erlass nicht. Hier hofft das Ministerium nur vage darauf, dass "bestimmte Überlegungen in diesem Bereich beschleunigt werden". Gemeint ist damit unter anderem eine Geschlechtserkennung bereits im Hühnerei. Forscher der Universität Leipzig arbeiten gerade an einem derartigen Verfahren. Bis zur Marktreife dürften aber noch Jahre vergehen.

Ein Bio-Bauer aus Niedersachsen wollte darauf nicht warten und hat vergangenes Jahr die "Bruderhahn Initiative Deutschland" gegründet. Gemeinsam mit anderen Biohöfen zieht er die männlichen Küken einfach mit auf. Dies sei zwar ethisch korrekt, aber auch teuer. Ein Hähnchen koste ihn etwa zehn Euro, erklärt Bio-Bauer Carsten Bauck. Deshalb: "Unsere Eier kosten vier Cent mehr als andere", so Bauck. Der Deutsche Tierschutzbund schlägt vor, die Tiere großzuziehen und als Masthühner zu vermarkten.

Stand: 26.09.2013, 18.30 Uhr

http://www1.wdr.de/themen/politik/eintagskueken100.html

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