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 Popetown: katholisch-islamistische Ökumene?
Name: Achim StößerAchim Stößer Permalink: https://tierrechtsforen.de/14/342

Datum: 30.04.06 13:39
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Auf die an sich harmlose Cartoon-Serie "Popetown" (vgl. http://maqi.de/tv/?id=10492&sparte=alle) reagieren durchgeknallte Katholiken wie durchgeknallte Moslems auf Bildchen des Propheten: sie wüten.

Und die Schere im Kopf funktioniert: im Ursprungsland England kam es gar nicht erst zu einer Ausstrahlung, und hier hat der Sender MTV angekündingt, nur noch eine Folge (statt zehn) auszustrahlen, gefolgt von einer "Diskussionsrunde" davor und danach.

Siehe auch "Hauptsache Kultur".

Hier ein Pressespiegel dazu:

Zitat:

„Popetown“ läuft - mit einer Folge

http://www.faz.net/m/{527E0A7A-14CE-4154-AC0A-45EB016EC7AC}picture.jpeg
"Popetown" kommt - vorerst nur einmal
27. April 2006
Der Musiksender MTV steht mit seinem Papstcomic „Popetown“ in der Kritik. Am 3. Mai um 21.30 Uhr soll die erste Folge des Comics laufen - und vielleicht nur diese. Denn der Sender will über die Serie diskutieren und das Votum der Zuschauer berücksichtigen, um hernach zu entscheiden, ob die Serie dann wirklich läuft. Die von der Erzdiözese München und Freising geforderte Unterlassungsverpflichtung, die bis Mittwoch, 18 Uhr, gefordert war, hat MTV nicht unterzeichnet. Wir sprachen mit dem MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger.


Werden Sie die Zeichentrickserie „Popetown“ nun zeigen oder nicht?

Wir werden am 3. Mai die erste Episode von „Popetown“ zeigen. Wir werden diese erste Folge einrahmen in eine Diskussion mit Vertretern der Kirche, der Medien, der Musikbranche, der Kultur und Zuschauern. Gleichzeitig werden wir den Zuschauern die Möglichkeit geben, sich telefonisch in die Sendung einzuschalten und wir werden ein Online-Forum haben, in dem die Zuschauer ihre Meinung äußern können. Das Publikum ist aufgerufen, sich während und nach der Sendung online (www.mtv.de/popetown) und per Telefon zu beteiligen. MTV wird die Reaktionen berücksichtigen und dann entscheiden, ob weitere Episoden ausgestrahlt werden.

Also lassen Sie Zuschauer und Kritiker quasi mitentscheiden. Warum der ungewöhnliche Aufwand?

"Wir provozieren gerne": Elmar Giglinger

Wir wollen die Schärfe aus der Diskussion nehmen. Wir sind der Meinung, daß wenn alle die Serie gesehen haben, über die viele jetzt schon sprechen, es keine Diskussion über Blasphemie und die Frage, ob eine solche Serie verboten werden soll, mehr geben wird. Alle die, die „Popetown“ gesehen haben, debattieren über die Frage: Ist das jetzt eine tolle Satire oder ist es eher pubertärer Humor? Das ist eine Diskussion, der wir uns sehr gerne stellen.

An der Ausstrahlung aber halten Sie fest. Die britische BBC, für die die Serie zunächst produziert worden ist, hat sich ja entschlossen, sie nicht zu zeigen.

Ich glaube, der Vergleich mit der BBC hinkt ein bißchen. Die BBC ist in Großbritannien quasi öffentlich-rechtliches Fernsehen. Ich kann mir „Popetown“ auch nicht bei ARD oder ZDF vorstellen, das wären sicherlich nicht die richtigen Sender dafür. Wir sind MTV. Wir polarisieren gerne, wir provozieren gerne, wir kratzen auch gerne mal an Tabus. Das sind Kernwerte unserer Marke. Gleichzeitig halten wir „Popetown“ nicht für beleidigend und schon gar nicht für blasphemisch.

Bleiben wir für einen Moment bei diesem Vorwurf der Blasphemie. Er macht sich fest an ihrer Werbung, die einen vom Kreuz herabgestiegenen Jesus zeigt, der im Fernsehsessel sitzt, unter dem Titel „Lachen statt rumhängen“. Darin haben ihre Kritiker die Beleidigung der Religion erkannt.

Das ist ein Problem in der Diskussion. Viele reden von der Serie, die sie nicht gesehen haben und meinen de facto die Anzeigenkampagne.

Und da können Sie die Kritik verstehen?

Offensichtlich haben sich Menschen beleidigt gefühlt. Wir haben entsprechend schnell reagiert. Wir haben die Anzeigenkampagne sehr, sehr früh gestoppt.

Haben Sie überhaupt mit derart massiver Kritik gerechnet?

Wenn man eine Serie wie „Popetown“ kauft, ist klar, daß das lautstark und kontrovers diskutiert wird. Das Ausmaß und die tatsächliche Lautstärke haben wir aber nicht erwartet.

Nehmen an Ihrer Debatte über „Popetown“ auch Vertreter der Katholischen Kirche und der Unionsparteien teil?

Wir haben das Ganze erst heute morgen entschieden. Wir werden aber natürlich Vertreter der Katholischen Kirche einladen, im Idealfall jemanden von der Erzdiözese München und Freising, die unsere härtesten Kritiker sind, auch gerne jemandem vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Wir hätten sehr, sehr gerne Herrn Stoiber im Studio, ich hoffe, er kann sich die Zeit nehmen, vorbeizukommen.

Es gibt Kritiker, die haben Parallelen zwischen „Popetown“ und dem Streit um die Mohammed-Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ gezogen. Können Sie das nachvollziehen?

Nein.

Auch nicht mit dem Hinweis, daß hier wie dort ein Religionsgründer durch den Kakao gezogen werde?

Nein. Wie gesagt, wir halten „Popetown“ für nicht beleidigend und schon einmal überhaupt gar nicht für blasphemisch.

Deshalb lassen Sie die Frist, die Ihnen die Erzdiözese München und Freising gestellt hat - an diesem Mittwoch, 18 Uhr - auch verstreichen. Was haben Sie der Kirche eigentlich geantwortet?

Bisher haben wir noch keine schriftliche Stellungnahme übersandt. Wir werden versuchen, noch heute mit dem anwaltlichen Vertreter der Erzdözese München und Freising Kontakt aufzunehmen.

Und was halten sie von der Strafanzeige, die der CSU-Politiker Joachim Herrmann gegen Sie gestellt hat?

Es liegt uns keine Strafanzeige vor. Sollte ein entsprechendes Schreiben bei uns eingehen, können wir dazu keine Stellungnahme abgeben, da wir laufende Verfahren nicht kommentieren.

Was würden Sie jemandem sagen, der annähme, daß dies ein kalkulierter Streit ist? Nach dem Motto: MTV braucht eine solche Debatte, „Popetown“ braucht eine solche Debatte, quasi als Marketing?

Eine Marketingkampagne muß per se Aufmerksamkeit erzeugen. Dennoch hat uns Ausmaß und Lautstärke der Diskussion in der Dimension, wie wir es jetzt erfahren, überrascht. Wir wollten eine kontroverse Diskussion, keinen kalkulierten Streit.
Die Fragen stellte Michael Hanfeld.

Text: F.A.Z., 27.04.2006, Nr. 98 / Seite 40
Bildmaterial: MTV, picture-alliance/ dpa/dpaweb


http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E239F800A74F74B228FCD713CB3A3FCE8~ATpl~Ecommon~Sdetail_image~Aimg~E1.html?back=/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E239F800A74F74B228FCD713CB3A3FCE8~ATpl~Ecommon~Scontent%C2%A7Phtml


Zitat:
Eine Folge „Popetown“
MTV setzt auf Kompromiss und Diskussion

Der Berliner Musiksender MTV stellt die umstrittene Vatikan-Serie „Popetown“ zur Diskussion. Zwar wird am kommenden Mittwoch eine Folge um 21 Uhr 30 ausgestrahlt, dies aber im Rahmen einer Live-Diskussionsrunde im MTV-Studio. Daran sollen laut Mitteilung vom Mittwoch Vertreter kirchlicher (vor allem katholischer) Organisationen, der Politik, der Medien, der Kulturszene und Zuschauer teilnehmen. MTV-Programmchef Elmar Giglinger wünscht sich insbesondere Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber als Gast. Der Sender hat sich zur Test-Ausstrahlung einer Folge entschlossen, damit sich die Zuschauer „eine Meinung über das Format bilden können, über das zwar viel gesprochen wird, das aber noch nicht viele gesehen haben“. MTV werde die Reaktionen berücksichtigen und dann entscheiden, ob weitere Episoden ausgestrahlt würden.

Die von der Erzdiözese München geforderte Unterlassungserklärung, „Popetown“ nicht zu zeigen, hat MTV nicht unterzeichnet. Der Sender beruft sich auf das Urteil der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen, die die Serie als „unbedenklich“ eingestuft und für die ersten drei Folgen von „Popetown“ eine Freigabe erteilt habe.


Der Pressesprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Theodor Bolzenius, sagte, offenbar hätten die öffentlichen Proteste zumindest teilweise Wirkung erzielt. Der Pressesprecher der Erzdiözese München und Freising, Winfried Röhmel, bezeichnete den Vorschlag von MTV als eine „theatralische Geste“. Grundsätzlich sei eine öffentliche Auseinandersetzung sinnvoll, in der von MTV angeregten Form werde jedoch keine Gewähr für eine objektive Diskussion geboten. Verhöhnung und Verspottung von Glaubensinhalten könnten nicht zum Gegenstand öffentlicher Abstimmungen gemacht werden. Es zeige sich erneut die Notwendigkeit, dass die Politk bessere gesetzliche Grundlagen schaffen müsse.

Wer die erste Folge der BBC-Produktion „Popetown“ gesehen hat, der weiß, dass in „Popetown“ weder Jesus noch Gott vorkommen. Es geht um das Bodenpersonal im Vatikan. Der Papst ist ein kreischender Quengelzwerg, der das Kruzifix als Springstock verwendet. Seine Kardinäle sind korrumpierte Heuchler, die Nonnen chargieren zwischen mediengeiler Vatikan-Reporterin und einer Rumkugel, die noch döfer ist als es der liebe Gott verzeiht. Gemeint, aber nicht gelungen ist „Popetown“ als quietschbunte Karikatur. Die Serie bietet albernes Fernsehen, darin einen Demütigungsversuch der Papstkirche zu sehen, überhöht „Popetown“ in die falsche Richtung. Joachim Huber


http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/27.04.2006/2493699.asp

Zitat:

Im Blickpunkt


DT vom 29.04.2006

Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) hat viele Christen massiv verärgert: "Popetown" läuft am 3. Mai bei MTV und der Sender hat die Stellschrauben bereits so gedreht, dass die Stimme der Christen im Chor der veröffentlichten Meinung im Nachhinein noch überschrien werden kann. Das Angebot, die Zuschauer mögen sich eine Meinung über das Format bilden und anschließend eine Live-Diskussion verfolgen und sich telefonisch einschalten, ist allenfalls eine Provokation. Christen, deren Überzeugungen "Popetown" verunglimpft, werden MTV nicht auch noch den Gefallen tun, die Einschaltquote der Serie zu erhöhen. Die Aufforderung des FSF-Geschäftsführers zur Diskussion hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Wer Christen beleidigt, qualifiziert sich damit nicht für den gesellschaftlichen Diskurs. Auch braucht sich niemand den Zeitpunkt für die eigene Meinungsbildung von den Medien diktieren zu lassen. Schon jetzt vermitteln die "Popetown"-Befürworter den falschen Eindruck, die Kritik an der Serie spiegele im Grunde nur das private Unbehagen und die aufgewühlten Emotionen der Christen wider. Dabei wird geflissentlich verschwiegen, dass sich auch die Zentralräte der Juden und Muslime der Protestwelle angeschlossen haben. Das überkonfessionelle Engagement gegen "Popetown" ist immerhin ein leiser Hoffnungsschimmer, zeigt er doch, dass Achtung vor religiöser Überzeugung in Deutschland nicht als Privileg einzelner Religionen angesehen wird. Dennoch steht "Popetown" für eine bittere Lektion aus dem Karikaturenstreit: Gelernt haben die Verantwortlichen hierzulande nichts. Die mediale Arroganz gegenüber den Christen taugt eher als Steilvorlage für religiöse Fanatiker: Wer Respekt vor der Religion auf legalem Weg nicht erfolgreich einfordern kann, kann unfreiwillig zum abschreckenden Beispiel werden. Zu befürchten hat MTV nichts. Christen sind friedliebend und äußern ihren Protest innerhalb der Grenzen der freiheitlichen Grundordnung. Die pubertäre MTV-Klientel dürfte nur in Ausnahmefällen Konsequenzen ziehen und dem Sender nach dem Motto "ausschalten statt rumhängen" die kalte Schulter zeigen. Strafanzeigen wegen Religionsbeschimpfung oder Störung des öffentlichen Friedens sind als Druckmittel zwar durchaus geboten. Doch das Risiko, der Gegenseite einen unerwünschten Werbeeffekt zu bescheren, liegt auf der Hand. Erst wenn der gesetzliche Rahmen für den Schutz religiöser Symbole und Glaubensinhalte so eindeutig wird, dass sich juristische Notwehrreaktionen erübrigen, kann die Kirche von einem wirklichen Erfolg sprechen. Regina Einig

Die Tagespost
Katholische Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur
http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=22986


usw. usw.

Achim

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 Achim Stößer 16.06.06 15:58 


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