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 Die katholische Kirche und Hitler
Name: Achim StößerAchim Stößer Permalink: http://tierrechtsforen.de/16/502/833

Datum: 13.10.13 15:46
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Zitat:

In seinem Buch Pius XII. und die Vernichtung der Juden forscht der belgische Philosoph Dirk Verhofstadt eingehend nach den Verstrickungen der Vatikans mit dem Nationalsozialismus und untersucht dabei unter anderem die Frage, wie viel die Kirche vom Holocaust wusste. Sein Befund: Der Vatikan war gut informiert und hat bis auf wenige Ausnahmen nichts dagegen unternommen. Der Grund: Die eindeutige Präferenz des Papstes für den Nationalsozialismus gegenüber Liberalismus und Kommunismus.

[...] Zur Ratifizierung des Konkordats zwischen Nazi-Deutschland und dem Vatikan wurde am 10. September 1933 in Berlin mit einem Dankgottesdienst in der St.-Hedwigs-Kathedrale gefeiert. Domprediger Pater Marianus Vetter predigte über "den Geist des Konkordats" und dankte nachdrücklich für die Vereinbarung zwischen dem Heiligen Vater und dem Führer, "der allgemein bekannt ist für seine Hingabe zu Gott und seine Sorge um das deutsche Volk". Eine SA-Abteilung nahm mit Musikkorps und allem was dazugehört an der Messe teil. Nazifahnen und katholische Banner hingen nebeneinander, und während des Gottesdienstes wurde das Horst- Wessel-Lied gesungen.

Zu Hitlers fünfzigsten Geburtstag am 20. April 1939 ließen die Bischöfe spezielle Messen lesen und in ganz Deutschland und Österreich die Kirchenglocken läuten. Kardinal Bertram von Breslau schickte an diesem Tag die folgenden Wünsche an Hitler: "Die herzlichsten Glückwünsche gelten dem Führer. Es geschieht das im Verein mit den heißen Gebeten, die die Katholiken Deutschlands am 20. April an den Altären für Volk, Heer und Vaterland, für Staat und Führer zum Himmel senden."

[...] Kirchenglocken läuteten bei jedem Sieg der Faschisten, nicht nur bei militärischen, sondern auch bei politischen, beispielsweise bei der Wiedereingliederung des Saarlandes, bei der Annexion der Tschechoslowakei und dem Überfall auf Polen. Bei jedem Geburtstag Adolf Hitlers wurden die Kirchenglocken geläutet. Der päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo bereitete jährlich einen Gala-Empfang für Hitler, bei dem er ihm den persönlichen Gruß des Papstes überbrachte. Im April 1938 befahl Kardinal Innitzer im frisch angeschlossenen Österreich, jede Kirche mit Hakenkreuzen zu beflaggen, die Kirchenglocken zu läuten und Gebete zum Heil des Führers sprechen zu lassen.

[...] Bemerkenswert ist erst einmal, dass Hitler an den soeben zum Papst gewählten Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli einen Brief mit einer unzweideutigen Beifallsbezeugung sandte. Am 5. März 1939, drei Tage nach seiner Inauguration, bestellte der Papst Diego von Bergen, den Botschafter des Dritten Reiches, zu sich. Von Bergen war der Erste, den der neue Papst überhaupt offiziell empfing. Und der neue Papst machte aus seiner Sympathie für den Führer kein Hehl.

Am 6. März 1939 schickte Pius XII. den folgenden Brief an Hitler: "An den hochgeehrten Herrn Adolf Hitler, Führer und Reichskanzler von Deutschland. Sehr hochgeehrter Herr! Wir legen großen Wert darauf, Ihnen gleich am Anfang Unseres Pontifikats zu versichern, dass Wir dem Ihrer Sorge anvertrauten deutschen Volk in innigem Wohlwollen ergeben bleiben und den allmächtigen Gott in väterlicher Zuneigung um sein wahres Glück anflehen, das aus der Religion genährt wird und Kraft empfängt."


[...] Viele Kirchenführer haben sich antisemitisch geäußert. So erklärte der Erzbischof von Freiburg, Conrad Gröber, im Jahr 1935: "Da jedes Volk selbst verantwortlich ist für seine glückliche Existenz und die Aufnahme eines völlig fremden Blutes immer ein Risiko bedeutet für ein Volkstum, das seinen historischen Wert unter Beweis gestellt hat, darf keinem Volk das Recht verweigert werden, seine rassische Reinheit unangetastet zu pflegen und dazu Schutzmaßnahmen zu ergreifen."

Dass er in den Kriegsjahren an seiner Position festhielt, zeigt sein Hirtenbrief vom 25. März 1941, in dem er offenkundig den Juden die Schuld am Tod Christi anlastete und hinzufügte, dass "der Fluch, den die Juden einst über sich selbst ausriefen: ‘Sein Blut komme über uns und unsere Kinder’ (Matthäus 27,25) in der Geschichte des Christentums bis heute erfüllt wurde".

Eine ähnliche Aussage existiert vom Limburger Bischof Antonius Hilfrich. In seinem Fastenbrief von 1939 schrieb er wörtlich, "dass das jüdische Volk am Tod Christi schuld ist. Jesus war ein Jude, aber die christliche Religion ist nicht aus der Natur dieses Volkes gekommen, das heißt: Ist von ihren rassischen Merkmalen nicht beeinflusst. Das Christentum hat sich vielmehr seinen Weg gegen dieses Volk bahnen müssen. (...) Außerdem war das jüdische Volk des Gottesmords schuldig, und deshalb ist es für immer verflucht."

Dass diese Sprüche Wirkung auf die deutschen Soldaten zeigten, wird durch die Tatsache belegt, dass SS-Henker während der NS-Prozesse nach dem Krieg ihre Judenmassaker mit Verweisen auf bischöfliche Briefe und besonders auf die oben zitierte Stelle aus dem Matthäus-Evangelium rechtfertigten.

[...] Die eindeutige Präferenz des Vatikans für Faschismus und Nazismus und gegen Kommunismus, Sozialismus und Liberalismus in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ist der Grund, warum die Päpste und besonders Pius XII. so seltsam still blieben, als die Juden diskriminiert, verfolgt, deportiert und schließlich vernichtet wurden. Die Interessen der katholischen Kirche hatten offenbar Vorrang gegenüber dem Leben von Millionen von Juden in Europa.

Die Schoa war der Preis, den die katholische Kirche zu zahlen bereit war, um ihre Position zu schützen und zu stärken. Es waren schließlich die Nazis, welche den Worten Taten folgen ließen und die extrem grausame Logik ihres Antisemitismus durch die systematische Ermordung von sechs Millionen Juden in die Praxis umsetzten.

Aber das war nur machbar unter Teilnahme von großen Teilen der katholischen und protestantischen Bevölkerung, sowohl in Deutschland als auch in den okkupierten Gebieten. Und diese tödliche Zusammenarbeit der Bevölkerung war wiederum nur möglich, weil der Papst und die meisten kirchlichen Behörden beschlossen hatten, über die größte Katastrophe in der Geschichte Europas zu schweigen und sich nie öffentlich gegen Hitler und sein Naziregime zu wenden.



[...] Bereits ein Jahr vor der Machtübernahme durch die Nazis, also 1932, befürwortete Ludwig Kaas eine Regierung unter Führung von Hitler. Der italienische Kardinalstaatssekretär Pacelli (und spätere Papst Pius XII.) hat zusätzlich Druck auf Kaas ausgeübt, um ihn zur Zustimmung der Zentrumspartei zum Ermächtigungsgesetz zu bewegen, was dann auch geschah. Die Aufhebung der Demokratie, mit der Unterstützung des Zentrumspartei am 24. März 1933, ebnete den Weg für das Konkordat zwischen dem Vatikan und den Nazis.

Als im Mai 1933 die Bischöfe von Osnabrück und Freiburg während ihres Rom-Aufenthalts von Pius XI. und Pacelli empfangen wurden, teilte Letzterer ihnen mit, dass die deutschen Bischöfe eine einheitliche, das heißt eine positive Meinung zum Konkordat verkünden sollten.

[...] Mit dem Konkordat schob Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., die deutschen Bischöfe und gewöhnliche Menschen in die Arme der Nazis. Nehmen Sie zum Beispiel den Brief von Michael Buchberger, dem Bischof von Regensburg, den dieser bereits am 3. Juli 1933 an Hitler sandte: "Wir sind bereit, voll guten Willens und Loyalität mit Ihrer Exzellenz für den Wiederaufbau unserer Heimat zusammenzuarbeiten, das heißt für die geistige und moralische Gleichschaltung des gesamten deutschen Volkes auf christlicher und patriotischer Basis."

Bemerkenswert ist, dass der Bischof das Wort Gleichschaltung gebrauchte, ein Terminus zur Bezeichnung von Maßnahmen, mit denen die Nazis Deutschland in eine totalitäre Diktatur verwandelten. Kardinal Bertram sandte als Vorsitzender der Bischofskonferenz von Fulda am 22. Juli 1933 einen Dankesbrief an Hitler. Darin schrieb er, dass die Kirche bereitwillig mit dem Regime zusammenarbeiten würde.


[...] Auf jeden Fall machte es Hitler und seinen Kumpanen den Weg frei, um ihre kriminelle Politik gegen die Juden zu beginnen und fast jeden Protest im Keim zu ersticken. Das war aber auch nicht weiter schwierig, weil viele überzeugte Katholiken stark antisemitisch eingestellt waren und sich dementsprechend über die antijüdischen Maßnahmen der Nazis freuten.

So brachten denn auch mehrere deutsche Bischöfe, darunter Kardinal Michael Faulhaber von München, Kardinal Adolf Bertram von Breslau, Erzbischof Conrad Gröber von Freiburg und Bischof Wilhelm Berning von Osnabrück, ihre Unterstützung für das neue Regime zum Ausdruck. Gröber wurde im Jahr 1933 sogar sympathisierendes und zahlendes Mitglied der SS.


http://www.heise.de/tp/artikel/39/39986/1.html?zanpid=1824464400254665728

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