Veganismusforum
Hier können Vorgehensweisen diskutiert und Informationen ausgetauscht werden, die dazu dienen, Veganismus zu fördern und eine vegane Gesellschaft zu etablieren.

 Forenübersicht  •  neues Thema  •  nach oben  •  zum Thema  •  Suche  •  Anmelden  •  RSS   voriger Beitrag  •  nächster Beitrag 
 Martin Balluchs Replik
Name: Achim StößerAchim Stößer Permalink: http://tierrechtsforen.de/2/298/322

Datum: 07.06.02 11:01
Dieser Beitrag wurde 5293 mal gelesen

Martin Balluch mailte mir folgenden Text zur Veröffentlichung hier:

>>>
Replik zu Kaplan’s „Müssen Tierrechtler Veganer sein?“


Als Vorbemerkung sei mir gestattet zu sagen, dass Kaplan‘s Motivation für seinen Artikel mir aus meiner Erfahrung im täglichen TR-Leben nicht nachvollziehbar ist: ich erlebe keinen Konflikt zwischen VeganerInnen und VegetarierInnen, ich weiss von den meisten Leuten aus meiner Umgebung nicht einmal, in welche dieser Kategorien sie sich da einordnen. Ich frage gar nicht. Wenn ich Vorwürfe in dieser Frage erlebe, dann fast ausschliesslich von VegetarierInnen, die (in bekannter FleischfresserInnen-Manier, in meinen subjektiven Augen ähnlich unmotiviert) den VeganerInnen vorwerfen sich als was Besseres zu fühlen. Meiner Ansicht nach gibt es also einen solchen Konflikt nicht, geschweige denn in einer die TR-Bewegung ernsthaft bedrohenden Weise.

Zum eigentlichen Text. Zunächst müssen wir unterscheiden zwischen I) dem philosophischen Prinzip "Tierrechte", das wir verfolgen, II) der praktischen Umsetzung für uns in der Gesellschaft jetzt und hier mit all ihren Unzulänglichkeiten und III) der taktischen Frage nach dem politischen Vorgehen, um unser als richtig erkanntes Prinzip so rasch und vollständig wie möglich in der Gesamtgesellschaft zu realisieren.

I) Das Prinzip „Tierrechte“ impliziert den Veganismus, keine Frage. Ich glaube hier sind wir uns ja alle einig. Unser aller Ziel ist also eine komplette Veganisierung der Gesellschaft. Es ist sehr wichtig diese Gemeinsamkeit hervorzuheben.

II) Zur praktischen Umsetzung sind folgende Definitionen notwendig:

Vegetarismus bedeutet, nichts vom toten Tier zu konsumieren (also auch keine Gelatine, keine Rindsuppe, kein Lab im Käse, etc.). Kaplan scheint diese Definition nicht zu teilen, aber jegliche andere Bedeutung von Vegetarismus wäre mir neu.

Veganismus bedeutet, in diesem Zusammenhang ausreichend, überhaupt keine tierlichen Produkte mehr zu konsumieren, also weder vom lebenden noch vom toten Tier, noch Produkte, bei deren Herstellung Tiere in einem gewissen Grad ausgebeutet wurden.

So gesehen besteht eigentlich kein so grossartiger Unterschied in der praktischen Umsetzung zwischen Veganismus und Vegetarismus. Bei beiden muss man - im Prinzip - z.B. nach der Herkunft des Fettes fragen, das im Restaurant auf dem Gemüse glänzt.

Ich gehe davon aus, dass das die gängigen Definitionen sind, also das, was üblicherweise Leute verstehen, wenn jemand die Begriffe „Vegetarismus“ und „Veganismus“, wie in Kaplan's Artikel, verwendet. Anders wäre sonst die übliche Bezeichnung „vegetarischer Käse“, für Käse aus Kuhmilch ohne Lab, nicht erklärbar. Angesichts dieser Definitionen aber, sind die Ergebnisse von Kaplan‘s Analyse nicht nachvollziehbar:

1) Es ist irrelevant ob VegetarierInnen oder FleischfresserInnen mehr Leiden verursachen. Ob jemand einen oder vier Menschen ermordet oder vergewaltigt, er/sie ist einE MörderIn bzw. einE VergewaltigerIn. Ich bilde mir ein, dass Kaplan diesen Umstand in seinen Büchern bzgl. dem Fleischfressen bereits herausgestrichen hat: ein bissel vergewaltigen ist auch vergewaltigen, genauso ist ein bissel Fleischfressen auch Fleischfressen und deshalb genauso moralisch verwerflich. Dass der Vegetarismus also moralisch „besser“ wäre, als das Fleischfressen, weil er weniger Leiden verursache (was fraglich bleibt), ist zumindest in dem Sinn nicht richtig, dass das auch nur im Kleinsten als Rechtfertigung dafür gelten könnte, vegetarisch zu leben als moralisch vertretbar anzusehen.

2) Es ist eigentlich wirklich nur unbedeutend schwieriger in unserer heutigen Gesellschaft vegan anstatt vegetarisch zu leben. Man kann praktisch alle (vegetarischen, aber auch Fleisch-) Speisen ziemlich leicht veganisieren. Es gibt billige vegane Fertigprodukte noch und noch. Und, wie gesagt, vegetarisch im obigen Sinne zu verstehen bedeutet genauso detailliert im Restaurant nachzufragen, was, wer, wie, woher.

In Wien z.B. gibt es über 20 vegetarische Restaurants. Die allermeisten davon haben eigene Zeichen für ihre veganen Angebote. Selbst in Restaurants, die auch Fleisch anbieten, finden sich bereits Zeichen für vegane (im Gegensatz zu vegetarischen) Speisen. Verschiedenste Firmen bieten vegane Fertiggerichte, wie z.B. die bereits fast überall erhältlichen veganen Gerichte von Inzersdorfer. In vielen Supermärkten, wie z.B. Merkur, finden sich jede Menge veganer Produkte, die vor dem Verzehr nicht erst großartig gekocht werden müssen, und trotzdem als „Fleisch-“ oder „Käseersatz“ gelten können: viele Tofuvariationen, mehrere Arten veganer Schnitzel, verschiedenste Würstel, die VegaVita Serie, vegane Sojabuttermilch, vegane Sojajoghurts, usw. Will man beim abendlichen Stadtspaziergang rasch etwas Veganes essen, so kann man z.B. bei Kebabstandeln Falafel oder Hummussemmeln kaufen, oder vegane Gemüsekebabs. Will man sich rasch eine vegane Speise nach Hause schicken lassen, so ist nichts Leichter als das: vom nahen Chinesen alle möglichen Tofugerichte, oder die Buddhistische Fastenspeise, wobei einfach noch anzugeben ist, dass die Hühnerbrühe weggelassen werden muss; oder man bestellt sich beim Italiener um die Ecke, wenn geklärt ist, dass der Pizzateig weder Ei noch Milch enthält (was bei allen „original“ italienischen Pizzarias der Fall ist), einfach eigene Pizzakreationen ohne Käse, oder übliche Pizzen, bei denen Käse und/oder Fleisch weggelassen worden ist.

Kurz und gut: mit ein bisschen Aufwand ist es überhaupt kein Problem heutzutage, zumindest in Wien, zu jeder Tages- und Nachtzeit rasch und unkompliziert veganes Essen zu bekommen. Jedenfalls ist es nur unbedeutend schwieriger veganes Essen zu bekommen, als vegetarisches.

Der diesbezügliche Unterschied zwischen Vegetarismus und Veganismus, den Kaplan zu sehen scheint, basiert wahrscheinlich auf der falschen Voraussetzung, dass Vegetarismus nur im Weglassen von Fleisch (und Fisch) bestünde, während beim Veganismus nicht nur zusätzlich Käse und Eier weggelassen werden müssten, sondern plötzlich auch alle verdächtigen E-Nummern etc. Das ist mir völlig unverständlich.

Entweder Vegetarismus bedeutet, beim Essen nur Fleisch und Fisch wegzulassen, dann steht nichts der Ansicht im Weg, dass Veganismus einfach das zusätzliche Weglassen von Milchprodukten und Eiern bedeutet. Und nur Milchprodukte und Eier wegzulassen ist keine Hexerei („meine Pizza Margarita bitte ohne Käse“).

Oder Vegetarismus bedeutet, beim Essen jegliches Produkt vom toten Tier wegzulassen, inklusive tierliches Fett, Gelatine, etc., dann kann, analog, der Veganismus als entsprechende Erweiterung gesehen werden. Nun müssen aber beide, VegetarierIn und VeganerIn, mit gleicher Akkribie zum E-Nummernlesen anfangen.

Ich sehe keinerlei Begründung, warum der Vegetarismus in ersterer Lesart (ohne E-Nummernlesen) und gleichzeitig der Veganismus in zweiterer Lesart (mit E-Nummernlesen) gesehen werden soll. Entweder ich kümmer mich um die Details, oder nicht, egal ob ich VegetarierIn oder VeganerIn bin.

3) Es besteht kein Unterschied zwischen Vegetarismus und Veganismus, was die Möglichkeit beide Utopien 100% zu leben betrifft. Mit obiger Definition, und der Interpretation nach 2) folgt das unmittelbar. Die Schwierigkeit den Veganismus 100% zu leben besteht nicht darin, dass die Produkte vom lebenden Tier so schwer zu vermeiden sind, sondern genauso die Produkte vom toten Tier. Ergo ist es praktisch genau gleich unmöglich den Vegetarismus 100% umzusetzen, wie den Veganismus.

4) Es besteht auch kein Unterschied zwischen Vegetarismus und Veganismus bzgl. der Utopie einer moralisch vertretbaren Produktionsform der jeweiligen Produkte. Es ist (siehe Kaplan's Bücher) praktisch unmöglich, Tiere leidfrei zu töten. Es ist weiters praktisch unmöglich, Fleisch immer nur von durch Unfall oder natürlichen Tod verschiedenen Tieren zu essen. Genauso ist es praktisch unmöglich, von Tieren leid- und ausbeutungsfrei ihre Eier oder ihre Milch zu bekommen. Alle Probleme, die in der Praxis mit der Instrumentalisierung der Tiere einhergehen, wie Nachzucht, Hochzucht, Besitz, Umgang mit Unproduktiven (Alten, Kranken, Unwilligen, ...), usw. machen es auf ganz ähnliche Weise praktisch unmöglich, TR-konform vegetarisch nicht-vegan zu leben, wie es praktisch unmöglich wäre TR-konform Fleisch zu produzieren. Es gibt also theoretisch sowohl die Utopie TR-konform Fleisch zu produzieren (eine frei gehaltene Herde, deren natürliche Ausfälle zu Fleisch verarbeitet werden), als auch TR-konform Milchprodukte herstellen zu können, aber beides ist praktisch unmöglich. Offensichtlich ist es irrational und kontraproduktiv zu versuchen ein zwar theoretisch mögliches aber praktisch unmögliches Ideal zu realisieren.

5) In unserer Gesellschaft ist es nicht 100% möglich vegetarisch/vegan zu leben. Daraus folgt sofort, dass wir alle eine Bagatellgrenze haben müssen, ab der wir uns nicht mehr weiter kümmern, uns aber trotzdem als VegetarierIn bzw. VeganerIn bezeichnen. Über dieses Faktum herrscht Einigkeit.

Was muss die Bagatellgrenze (für Vegetarismus und Veganismus) für Eigenschaften haben?

a) Über sie hinauszugehen ist „unzumutbar“ für die jeweilige Person in ihren jeweiligen Umständen, und bedeutet höheren persönlichen Aufwand, als durch Qualität oder Quantität der „Ausbeutung“ für das zu vermeidende Produkt gerechtfertigt erscheint.

b) Sie darf aber nicht so niedrig liegen, dass eine „handfeste“ Ausbeutung und Misshandlung von Tieren unmittelbar für die Herstellung der zugelassenen Produkte notwendig ist.

Die Bagatellgrenze könnte also z.B. dabei liegen, dass nicht mehr als 0,1% des Produkts tierlich sein darf, oder dass die Ausbeutung zu indirekt ist, wenn z.B. Sojamilchbakterien ursprünglich auf Kuhmilchzucker gezogen worden sind. Es kann aber sicherlich nicht innerhalb der Bagatellgrenze liegen, wenn man (egal ob selten oder wenig) ein Stück Fleisch bzw. ein Stück Käse isst. Hier handelt es sich, ohne jeden Zweifel, um eine „handfeste“ Misshandlung von Tieren, die für die Herstellung notwendig war, im Sinne von b).

Wenn die Bagatellgrenze ein volles Stück Fleisch ausschliesst, dann auch ein Stück Käse, weil bei beiden die „Handfestigkeit“ der Tiermisshandlung gleich direkt ist, wie ich auch Kaplan’s Text entnehme. Wenn die Bagatellgrenze aber Gelatine im Zuckerl erlaubt, dann auch Milchzucker. Keinesfalls kann die Bagatellgrenze zwischen Fleisch und Käse verlaufen. Mit der Bagatellgrenze lässt sich also Käse so wenig rechtfertigen wie Fleisch, und Gelatine so „leicht“ (d.h. gleich schwer) wie Milchzucker. Hier ist wieder kein Unterschied zwischen Vegetarismus und Veganismus auszumachen.

Insofern haben Vegetarismus und Veganismus einen genau gleichen „fanatischen Aspekt“. Man kann beides so oder so betreiben. Strukturell gibt es keinen Unterschied.

III) Taktische Überlegungen. Auch hier sind meiner Erfahrung nach der Vegetarismus und der Veganismus in einer sehr ähnlichen Position. Bestenfalls ist der Vegetarismus dem Veganismus sozusagen 10 Jahre in der Gesellschaftsentwicklung voraus, aber strukturell und sozialpolitisch ist der Unterschied nicht gross.

1) Die Mehrheit der NormalbürgerInnen findet es meiner Erfahrung nach ähnlich absurd, Vegetarismus wie Veganismus zu fordern. Für die typischen FleischfresserInnen besteht da nur mehr ein sehr geringer Unterschied. In der praktischen Umsetzung ist der Unterschied tatsächlich auch sehr gering. Der Hauptunterschied im Umsetzungsaufwand liegt zwischen NormalfleischfresserInnen und BiofleischfresserInnen. Da wirds echt mühsam, weil man vorher „alles“ essen konnte, und plötzlich vergleichsweise „nichts“ mehr, jedenfalls an klassischen Speisen in Restaurants oder Supermärkten. Aber vom Biofleisch zum Vegetarismus ist der Aufwandsunterschied wesentlich geringer, genauso wie der Aufwandsunterschied dann vom Vegetarismus zum Veganismus wesentlich geringer ist.

2) Taktisch sollte man die Flexibilität haben, je nach Zuhörerschaft anders aufzutreten. Man kann die Forderungen ja auch harmlos formulieren. Aber die Ich-Botschaft „also ich bin vegan“, im Gegensatz zum „du musst vegan leben“ entschärft die Situation i.a. schon total, wiederum gleich für Vegetarismus und Veganismus. Jedenfalls kann man meiner Erfahrung nach, wenn man Zeit hat und rational auftritt, auch vor FleischfresserInnen voll den Veganismus vertreten, ohne „fanatisch“ oder sonstwie negativ zu wirken. Umgekehrt scheint mir in kurzen Werbeschlaglichtern eine diesbezügliche Differenzierung unmöglich, und daher würde ich in dieser Art der medialen Präsentation eine explizite Veganwerbung lieber bleiben lassen.

3) Sowie Seinerzeit die PionierInnen des Vegetarismus durch ihre Radikalität und ihr starrsinniges Insistieren viele vegetarische Möglichkeiten in der Gesellschaft geschaffen haben, so machen das jetzt die PionierInnen des Veganismus. Und wie erfolgreich sie dabei sind! Heute ist Veganismus nicht nur landläufig bekannt, sondern man kann bereits in vielen Lokalen extra vegane Alternativen finden, selbst in normalen Bergsportgeschäften bzgl. Bergschuhen, wie ich kürzlich erleben durfte. Die „normale“ Schuhfirma Garmont produziert bereits einen eigenen Trekkingschuh genannt „Vegan“, bei dem im Werbeprospekt der Umstand, dass er keinerlei tierliche Produkte enthält, besonders betont wird. Die Situation heute und vor 10 Jahren sind bzgl. Veganismus bereits nicht mehr vergleichbar. Heute ist es - Dank der Vorarbeit veganer PionierInnen - tausendmal leichter vegan zu leben und Alternativen zu finden. Es gibt eine Vielzahl veganer Firmen usw. Und der Markt wächst rascher als sonst einer. All das überzeugt mich ungschauter, dass die vegane politische Linie unheimlich erfolgreich und effektiv ist.

Gesellschaftspolitische Vorteile des Veganismus gegenüber dem Vegetarismus kann ich folgende ausmachen:

1) Auch die so unmittelbar für alle einsichtige Konsistenz des Veganismus spricht sehr überzeugend dafür, ihn als politisches Mittel einzusetzen. Wir kennen es von Pelzstandeln, Zirkusdemos, Jagddemos etc.: die TierausbeuterInnen versuchen uns DemonstrantInnen Komplizenschaft vorzuwerfen, bzw. zu sagen, „ihr seits ja auch nicht besser“, indem sie unsere nicht-vegane Inkonsistenz aufzeigen - wenn es die denn gibt. Das geschieht jedes Mal mehrfach. Was ist wunderbarer als mit dem Brustton der Überzeugung antworten zu können: „nein, mein Herr/meine Dame, meine Schuhe sind sicher nicht aus Leder“, etc. Erfahrungsgemäss verstellen sich VegetarierInnen bei solchen Demos sogar, und geben gegenüber der Öffentlichkeit vor, VeganerInnen zu sein. So offensichtlich inkonsistent ist der reine Vegetarismus. Das komplette Weltbild ist schon sehr wichtig, meinem Verständnis nach. Es zeigt die Perspektive, das abgerundete, stimmige. Es kann nur überzeugen, wenn es vollständig wirkt. Alle, die ein bissel nachdenken, realisieren sehr rasch (siehe Demoaussagen), dass alles Nicht-Vegane genauso Ausbeutung und Missbrauch bedeutet, wie die üblichen Missbrauchsformen, gegen die wir demonstrieren.

2) Ich halte es für gesellschaftspolitisch sehr wichtig, dass zumindest einige Leute unser Ziel, die vegane Gesellschaft, in der Praxis vorleben. Dadurch können wir zeigen, dass es geht. Und dadurch können wir auch Schwachstellen finden (Vitamin B12, alpine Landwirtschaft z.B.), und an ihrer Überwindung bzw. den praktischen Alternativen arbeiten. Für das Gelingen der TR-Revolution muss sich ein Kern von Leuten finden, der sie bereits lebt. Daran können sich dann die neuen SympathisantInnen anschliessen.

Die von Kaplan negativ erwähnte schleichende Vegetarisierung bzw. Veganisierung der Gesellschaft, ohne ethische Argumente, halte ich für eine unserer stärksten Waffen. Ein leidliches, sozialwissenschaftliches Faktum bleibt, dass ethische Argumente nur 5 % der Bevölkerung erreichen. Deshalb brauchen wir 2 zusätzliche Waffen: die schleichende Veganisierung, und Gesetze. Erstere schafft die Voraussetzung für letztere, weil Leute, die bereits (ohne ethische Überzeugung) vegan leben, durch Veganisierungsgesetze nicht mehr selbst betroffen sind, und daher keinen Widerstand entgegen setzen werden. Und letztere „zwingen“ die übrig gebliebenen, wie im Fall der Menschenrechte, dazu ethisch zu leben, für eine Übergangszeit, bis es (in den nächsten Generationen) allen Menschen „in Fleisch und Blut“ übergeht, und die Leute es eh für ganz normal halten und „es immer scho so wor“, und alle dafür sind und sogar bereit sind, diese moralische Überzeugung zu verteidigen. Es war bei Menschenrechten so, und ist so bereits im Tierschutz. Die schleichende Veganisierung schafft die Basis dafür, dass Veganisierungsgesetze möglich werden, weil sie niemandem mehr weh tun (oder nur wenigen). Die Gesetze vollziehen dann - über Generationen hinweg - den Schritt zur gesellschaftlichen Ethik.

Zuletzt möchte ich ganz subjektiv noch einmal betonen, dass mir die veganen Nahrungsmittel, auch Fertiggerichte, und veganer Käse usw., sehr gut schmecken und mir, ganz ehrlich, auch geschmacklich nichts abgeht, im Gegenteil. Bei mir ist es, umgekehrt, so, dass ich faktisch keine Tierprodukte mehr verdauen kann: Eiernudeln im Flugzeug, Butter auf dem Gemüse, Joghurt im Dressing - bei versehentlichen vegetarischen Fehlern wurde mir totenübel. Auf Anfrage beim Arzt wurde klar: Ich kann tierliche Fette und Proteine nicht mehr verdauen. Ich habe die entsprechenden Enzyme bereits verloren. Es geht allen LangzeitveganerInnen so, hat man mir gesagt. Kurz: ich könnte beim besten Willen nicht in relevantem Mass nicht-vegan Vegetarisches essen, ohne mich zu übergeben. Das klärt wohl die praktische Frage der Umsetzung, zumindest für mich.
<<<

 Beitrag beantworten  •  Gesamtbeiträge   neueres Thema  •  früheres Thema 

 Themen Name  Datum
 Kaplans Antiveganismuspropaganda   neu 
 Achim Stößer 01.06.02 13:15 
 Durchgeknallt   neu 
 Waldo 01.06.02 13:48 
 Nicht lustig   neu 
 Achim Stößer 01.06.02 16:42 
 Kirschen, Tomaten und Haselnüsse sind ungenießbar   neu 
 Waldo 03.06.02 11:27 
 Kaplans Käse   neu 
 Achim Stößer 03.06.02 14:39 
 Veganismus nur für den Pöbel   neu 
 Achim Stößer 03.06.02 14:46 
 Kaplan: Pro-Veganismus viel tierfeindlicher als Pro-Fleisch   neu 
 Achim Stößer 01.06.02 21:57 
 Nachtrag   neu 
 Achim Stößer 01.06.02 23:37 
 Wie zu erwarten ...   neu 
 Achim Stößer 02.06.02 00:04 
 Blut an Kaplans Händen   neu 
 Achim Stößer 02.06.02 03:18 
 ... und bei Fellbeißer natürlich ...   neu 
 Achim Stößer 07.06.02 13:36 
 Link hierauf   neu 
 Achim Stößer 02.06.02 11:15 
 Links hierzu   neu 
 Achim Stößer 03.06.02 14:51 
 e-mail an Kaplan   neu 
 Toma 04.06.02 17:58 
 Re: email an Kaplan   neu 
 Achim Stößer 05.06.02 12:24 
 Re: e-mail   neu 
 Toma 05.06.02 23:16 
 Vorsicht!   neu 
 Maglor 23.12.04 21:13 
 Re: Vorsicht!   neu 
 Achim Stößer 23.12.04 21:16 
 Beispiel   neu 
 Maglor 23.12.04 21:27 
 Re: Beispiel   neu 
 Achim Stößer 23.12.04 23:31 
 Das wäre super   neu 
 Maglor 24.12.04 00:58 
 Grundkurs Hume   neu 
 Achim Stößer 24.12.04 11:21 
 Danke   neu 
 Maglor 24.12.04 19:34 
 Re: Vorsicht!   neu 
 Sebastian Vøllnhals 24.12.04 05:27 
 Veganismus als Sport und die Tötungsfrage   neu 
 Detlef.L 21.06.02 15:25 
 Totschweigen?   neu 
 Achim Stößer 05.06.02 11:51 
  Eher lähmendes Entsetzen wahrscheinlich (hoffentlich?)   neu 
 Tanja 05.06.02 22:38 
 Tier'rechtler'   neu 
 Achim Stößer 06.06.02 09:54 
 Müssen Tierausbeuter Tierrechtlern Vorschriften machen?   neu 
 Iris 06.06.02 02:32 
 Teil 2   neu 
 Iris 06.06.02 02:52 
 Teil 3   neu 
 Iris 06.06.02 02:54 
 Teil 4   neu 
 Iris 06.06.02 02:55 
 Martin Balluchs Replik   neu 
 Achim Stößer 07.06.02 11:01 
 Vegetarier unterminieren die Tierrechtsbewegung   neu 
 Achim Stößer 07.06.02 11:12 
 100% vegan / Sojajoghurtmythos   neu 
 Achim Stößer 07.06.02 11:44 
 Martin Balluchs Kommentar zu Kaplans Antwort   neu 
 Achim Stößer 10.06.02 23:41 
 Abbildungen   neu 
 Waldo 07.06.02 12:09 
 Sein heißt abgebildet werden   neu 
 Achim Stößer 07.06.02 13:50 
 ... :- )   neu 
 daniela 07.06.02 14:26 
 Silke+Kaplan---Geschichten einer Selbstdarstellungssucht   neu 
 Delef A. 07.06.02 17:25 
 Interview zum Tag der Milch   neu 
 Achim Stößer 13.06.02 12:30 
 Kaplan???   neu 
 Detlef A. 07.06.02 17:12 
 Traumdeutung gesucht   neu 
 Detlef A. 11.06.02 01:32 
 Kaplans Reaktion   neu 
 Achim Stößer 08.06.02 13:00 
 95% vegan   neu 
 Achim Stößer 09.06.02 14:04 
 Ich nehme es zurück   neu 
 Achim Stößer 09.06.02 13:25 
 Kurzfassung   neu 
 Achim Stößer 09.06.02 15:43 
 Kaplan - The Sequels   neu 
 Achim Stößer 19.06.02 18:11 
 Sequel #2   neu 
 Achim Stößer 22.06.02 04:20 
 Kaplan, das ist ein schlechter Witz aus Österreich !   neu 
 Detlef A. 23.06.02 16:53 
 [Anti]Tierrechtskongreß   neu 
 Achim Stößer 26.06.02 12:50 
 Re: [Anti]Tierrechtskongreß   neu 
 Achim Stößer 17.08.02 15:23 
 Kaplan, der Mann mit der Maske   neu 
 Detlef.L 26.06.02 16:41 
 Kaplan steigert sich ...   neu 
 Achim Stößer 21.07.02 22:55 
 Sie sind unter uns   neu 
 Achim Stößer 21.07.02 23:31 
 Es ist noch schlimmer   neu 
 kerberos 03.08.02 18:22 
 Briefwechsel   neu 
 kerberos 05.08.02 13:39 
 2+2=5 (Orwell)   neu 
 Achim Stößer 05.08.02 16:57 
 Auf Kaplans Wunsch   neu 
 kerberos 05.08.02 17:08 
 Artikel in der Voice   neu 
 Achim Stößer 05.08.02 17:01 
 Re: Artikel in der Voice   neu 
 Achim Stößer 06.08.02 01:31 
 Fellbeisser-"Hingucker"   neu 
 Achim Stößer 07.08.02 00:27 
 Nachtrag   neu 
 Achim Stößer 08.08.02 12:28 
 Kaplans Ausfälle   neu 
 Achim Stößer 08.08.02 12:58 
 Sein und Sollen   neu 
 Achim Stößer 09.08.02 19:03 
 Strategie?   neu 
 Achim Stößer 13.08.02 23:24 
 Kaplan spricht   neu 
 Achim Stößer 09.09.02 22:12 
 Kaplan - gibt es perfekte Menschen?   neu 
 Magdalena 11.12.02 21:13 
 fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Thomas 11.12.02 22:09 
 Sehr interessant, danke   neu 
 Magdalena 12.12.02 12:51 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Magdalena 17.12.02 20:12 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 martin 17.12.02 20:51 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Magdalena 17.12.02 21:22 
 Kaplans Wahn schon seit langem   neu 
 Achim Stößer 18.12.02 11:10 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Thomas S 18.12.02 13:24 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Thomas S 17.12.02 23:36 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 martin 18.12.02 15:53 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Casi 18.12.02 17:53 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Volker 18.12.02 11:45 
 Kaplan   neu 
 Iris 18.12.02 13:50 
 Re: Kaplan   neu 
 Volker 18.12.02 14:16 
 Re: Kaplan   neu 
 martin 18.12.02 16:05 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Achim Stößer 17.12.02 21:31 
 Re: fördert Vegetarismus Veganismus?   neu 
 Thomas S 18.12.02 00:43 
 zu sich selbst stehen..   neu 
 Magdalena 22.12.02 15:19 
 'Verzicht'   neu 
 Iris 03.01.03 23:56 
 Re: 'Verzicht'   neu 
 Magdalena 04.01.03 14:22 
 Re: 'Verzicht' - Nachtrag   neu 
 Magdalena 04.01.03 14:53 
 Re: Kaplans Antiveganismuspropaganda   neu 
 Tanja 16.12.02 01:54 
 TR vs Vegetarismus   neu 
 Achim Stößer 04.01.03 15:53 
 Re: Kaplans Antiveganismuspropaganda   neu 
 Barbara 10.01.03 19:32 
 Kaplans neue Webseite   neu 
 Iris 11.01.03 00:34 
 Re: Kaplans neue Webseite   neu 
 Achim Stößer 11.01.03 00:43 
 erneute Rechtfertigtungsversuche   neu 
 martin 11.10.03 22:01 
 Vegetarier sind immer noch toll   neu 
 Hannes Benne 22.01.11 21:18 
 Re: Kaplans Antiveganismuspropaganda   neu 
 Hannes Benne 22.05.11 15:10 
 Und immer wieder Antiveganismus   neu 
 Hannes Benne 07.08.11 17:23 
 Kaplan lebt weiter unvegan   neu 
 Hannes Benne 26.03.13 18:51 


 Forenübersicht  •  neues Thema  •  nach oben  •  zum Thema  •  Suche  •  Anmelden  •  RSS 
 Beitrag beantworten
 Name:
 Email:
 Spamschutz: Dieser Code muss kopiert werden 
 Titel:
  [b]fett[/b] | [i]kursiv[/i] | [u]unterstrichen[/u] | [quote]Zitat[/quote]
  [url]http://[/url] | [url=http://]Linktext[/url] | [img]Bild[/img]
  Richtlinien sowie Forenbeschreibung und FAQ gelesen?
  Suchfunktion benutzt?
   
Vegan
Tierrechte