Zitat:
Wie ein Metzger bei den Veganern
Von Thorsten Keller, 05.01.10
Ob Erika Steinbach in der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ist oder nicht, spielt kaum eine Rolle. Die Position der deutschen Berufs-Vertriebenen ist insgesamt fragwürdig - und wird von Polen zu Recht als Zumutung gesehen. [...]
Erika Steinbach, Jahrgang 1943, ist aus polnischer Sicht, der Inbegriff der hässlichen Deutschen. Seit 19 Jahren sitzt die Vertriebenen-Funktionärin für die CDU im Deutschen Bundestag und hat dort 1991 gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze votiert - zusammen mit 22 weiteren Kollegen aus der Fraktion. Das macht sie in Polen zu einer persona non grata - verständlicherweise. Der jetzige Verlauf der polnischen Westgrenze ist eine Folge des Zweiten Weltkriegs, den die Wehrmacht am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen begonnen hat. Wer diese Grenze heute infrage stellt, verdreht Ursache und Wirkung. Steffen Möller sagt: "Es gibt keinen polnischen Politiker, der sich mit Frau Steinbach gemeinsam auf einem Foto zeigen würde. Das würde seine Karriere ruinieren."
Von Anfang an absurde Idee
Die Idee, Erika Steinbach in den Beirat der Stifung[sic!] "Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ zu entsenden, war von Anfang an absurd. Genauso gut könnte man einen Metzger bitten, ein Veganer-Treffen zu moderieren. Dass Steinbach nun ihren "Verzicht" anbietet, dürfte das deutsch-polnische Verhältnis einstweilen entspannen, ist aber nur bei vordergründiger Betrachtung eine gute Nachricht.
Im Gegenzug spielt der Bund der Vertriebenen (BdV) nämlich Basar und stellt weitreichende "Bedingungen". Sollten sich CDU/CSU und FDP darauf einlassen, würden sie sich von einer reaktionären Splittergruppe am Nasenring durch die politische Arena ziehen lassen. Dass die Unionsparteien den BdV aus wahltaktischen Gründen mit Samthandschuhen anfassen, ist ja nichts Neues.
[...] Erika Steinbach, nach polnischen Recherchen übrigens eine "falsche Vertriebene", lamentiert auch in ihrer jüngsten Erklärung über die "Bevormundung" ihres Vereins und die mangelnde "Selbstachtung der Nation". Und schuld daran ist nur die SPD. Das wusste schon Rudi Carrell.