Antisexismusforum
In diesem Forum kann über Sexismus / Antisexismus diskutiert werden. Es ist Teil der Seite antisexismus.de.

 Forenübersicht  •  neues Thema  •  nach oben  •  zum Thema  •  Suche  •  Anmelden  •  RSS   voriger Beitrag  •  nächster Beitrag 
 Uni-Besetzung Wien
Name: martin Permalink: https://tierrechtsforen.de/12/1006

Datum: 28.10.09 16:31
Dieser Beitrag wurde 3549 mal gelesen

Dazu ist mir folgende Stellungsnahme untergekommen, von der hier die Diskussion um Sexismus im Vordergrund stehen soll.

Zitat:
Die Notwendigkeit zur De-Radikalsierung des Protests
Lou Hefner

Als ich von der Besetzung des Auditoriums Maximum, kurz Audimax, der Universität Wien als Protest gegen den Bildungsabbau hörte, fühlte ich mich sofort solidarisch, weil direkt betroffen. Der Bologna-Prozess, die Umstellung auf das Bachelor/Master-System betrifft mich als Diplomstudentin der Politikwissenschaften direkt und ich verspürte eine gewisse Euphorie bezüglich dieser Aktion als gemeinsames Zeichen der betroffenen Studierenden.

Seit Freitag verbrachte ich viel Zeit im Audimax, veröffentlichte und kommentierte die Ergebnisse der Plena via Twitter und Facebook, engagierte mich in der Presse AG, rief Freunde und Bekannte auf, sich an den Studentenprotesten zu beteiligen – und verspürte dennoch einen gewissen Unmut bezüglich mancher Züge, die diese Besetzung annahm. Als universitätsübergreifender Streik der Basis, der am Dienstag/Mittwoch von der Akademie der Bildenden Künste ausging, wurde anfangs jede parteipolitische Initiative verneint, die Aktion im Rahmen ihres weiteren Verlaufs jedoch von einer zum Linksradikalismus tendierenden Art vereinnahmt, die sogar zum Ausschluss einzelner studentischer Gruppierungen ohne vorherige Anhörung geführt hat. Auch weist die allerorts hochgelobte Basisdemokratie ihre Tücken auf: so wurde der gesellschaftsreformierende wie systemzerstörende Charakter der Bewegung beispielsweise nie zur Abstimmung gebracht. Auch wenn ich den revolutionären Gedanken per se schätze, ist der Umsturz des politischen Systems im Moment eine zu große Aufgabe für die Besetzer. Auf Grund der Vielfalt der im Audimax vorhandenen Meinungen schlage ich vor, sich auf das Wesentliche und den Initiativ-Gedanken zu konzentrieren – insbesondere, da darüber einzig Einigkeit herrscht: Mehr Geld für Bildung!

Neben der Tendenz zur Links-Linken und dem totalen Ausschluss nicht konformen Gedankenguts gefährdet die Diskriminierung einer weiteren Gruppe den Erfolg des Protests: Männer. Die unter Ausschluss männlicher Partizipation gegründete Arbeitsgruppe „Frauen und Anti-Sexismus“, deren Forderungen nach feministischem Raum und einer 50%igen Frauen-Quote offiziell angeblich von allen protestierenden Studenten getragen werden, setzt sich seit Tagen über die basisdemokratische Vorgehensweise und den anti-diskriminierenden Charakter der Bewegung im Audimax hinweg und vereinnahmt die bildungspolitische Sache für ihre eigenen Zwecke. Mit überdimensionalen Plakaten stürmte die Frauen-Gruppe bei einer Plenumseröffnung das Podium, verdeckte die Tagesordnung und überhängte das Martin Luther King Graffiti zum Bildungsprotest anschließend ohne die Zustimmung der Anwesenden einzuholen. Als Frauenbund ist diese Arbeitsgruppe und ihre in einer Stellungnahme http://at.indymedia.org/node/16046 enthaltenen Forderungen selbst sexistisch und diskriminierend.

Anti-Sexismus und Feminismus sind wichtig, dürfen aber nicht auf ausschließende, eine Gleichstellung verhindernde Art und Weise, wie beispielsweise durch eine 50%ige Frauen-Quote in allen universitären Bereichen wie in den Forderungen der Besetzung enthalten, herbeigeführt werden. Ich spreche mich an dieser Stelle auch dezidiert gegen die Veranstaltung von Frauen Plena, wo Männer Zutritts- aber kein Rede-Recht haben sollen, aus: Ich als Frau verzichte auf eine eigene Veranstaltung. Ich möchte mein Rede-Recht im allgemeinen Plenum wie meine männlichen Kommilitonen. Ich will mich nicht ausschließen, um meiner Stimme Gehör und Gewicht zu verschaffen. Ich finde eine rein weibliche Perspektive einseitig und möchte zu jeder Thematik auch eine männliche Meinung hören, um anschließend eine möglichst geschlechtsneutrale Betrachtungsweise anzustreben.

Anti-sexistische und feministische Bestrebungen, die Männer ausschließen, sind diskriminierend und sexistisch!

Solange dieser Protest solchen Forderungen Raum gibt, muss ich meine Unterstützung versagen, obwohl es mir das Herz bricht. Ich möchte daher zu folgender Überlegung anregen: die Forderung nach mindestens 50% Frauen in allen universitären Bereichen auf eine Art „Geschlechter-Quote“ abzuändern und ihr damit den diskriminierenden Charakter zu nehmen.

Im Hinblick auf den Erfolg des Protestes fordere ich hiermit außerdem dringend zur De-Radikalisierung auf: Das sich abzeichnende, für die Breite dieser Bewegung schädliche Ausschluss-Prinzip wird zu einem Problem, das Kritiker auch für das politische Scheitern der 68er verantwortlich sehen: Der deutsche Historiker und Publizist Paul Nolte begründet deren Erfolglosigkeit daran, dass sich „ihre Ziele als irrational, romantisch, oft sogar antidemokratisch entpuppt haben.“ Damit sind aber nicht alle gemeint „Die Rede ist von dem Kern der Bewegung, der freilich wohl nicht mehr als einige Zehntausend umfasste. Sie folgten einer fatalen Neigung zum “totalen” Denken, das keine Relativierung zuließ; sie hingen den krudesten Varianten des Marxismus an und hielten, man muss es leider so klar sagen, die parlamentarische Demokratie für abschaffenswürdig. Bestenfalls kann man, auch in historischer Einordnung, von einer abermaligen Renaissance deutscher politischer Romantik sprechen.“ (http://lesesaal.faz.net/wehler/exp_forum_comment.php?rid=15&tid=86.)

Ich wünsche mir daher, sich auf den Kern und Anfang dieses Protests, den Streik gegen den Bildungsabbau zu besinnen, damit ich und andere diese Revolution wieder guten Gewissens mittragen können.

ES IST UNSERE UNI!

Die (zeitlich frühere) "Gegenmeinung" lautet:
Zitat:
Sexismus angreifen!

Während der letzten Audimax – Besetzungstagen gab es zahlreiche sexistische Vorfälle und Übergriffe.

Beispiele gefällig?
- „Ausziehen“, „Schleich dich du Hure“, Buh – Rufe aus dem Plenum während (antisexistische) Redebeiträgen von Frauen
- Sexistische Wortmeldungen am Mikrophon während und nach dem Plenum
- Nackte Männerkörper und Schwänze auf der Bühne
- Sexistische Wortmeldungen im Chat während dem Livestream
- Sexistische Angriffe gegen Frauen: „Ihr seid sogar zu schiach um euch zu missbrauchen“
- Sexisten auf der Bühne, bei Reden, als Musiker
- Sexuelle Übergriffe im Schlafsaal
- Sprüche zur sexuellen Verfügbarkeit von Frauen während der Besetzung, in Foren, im Chat,…zb.: „Ich habe gehört es gibt hier ein Puff“
- Vortragende am Podium sind ausschließlich männlich (Quote fordern aber selbst nicht einhalten??)

Solche Vorfälle zu verhindern ist in unser aller Verantwortung!
Sexistische Übergriffe und Situationen sind Teil eines Gesellschaftssystems, in dem wir alle leben.
Das es zu solchen auch während dieser Besetzung kommen kann, ist unser aller Problem! Solange es hier ein allgemeines Desinteresse für antisexistische Themen gibt, solange Menschen nicht eingreifen, wenn sexistische Aussagen getätigt werden und Übergriffe geschehen, wird hier der gesellschaftliche Normalzustand reproduziert!

Frauen und Männer, denen ein antisexistischer Raum wichtig ist, finden diesen Zustand unerträglich und können oder wollen sich daher nicht, mehr oder nur teilweise an der Besetzung beteiligen.
Viele Frauen fühlen sich vor allem in der Nacht unwohl und empfinden den „Freiraum Uni“ nicht als ausreichenden Schutzraum vor sexuellen Übergriffen.
Sexistischer Umgang ist Ausschlussmechanismus! Eine breite Protestbewegung wird damit unmöglich!

Daher fordern wir alle BesetzerInnen auf, sich am Aufbau und Erhalt eines antisexistischen Raumes „Universität“ zu beteiligen.
Wir fordern:

- Keine Akzeptanz von sexistischen Wortmeldungen am Podium!
- Starkes Eingreifen von Allen bei sexistischen Übergriffen und Vorfällen!
- Keine Diskussionen mit übergriffigen Typen, sondern Rauswurf!
- Mindestens 50% Frauen bei Vorträgen, auf Podien, bei Diskussionsbeiträgen,…!
- Mindestens 50% der Redezeit am Podium/ im Plenum für Frauen
- Respektvoller Umgang miteinander!
- Ein Frauenraum als Rückzugsraum, Schlafraum, Diskussionsraum,…
- Geschlechtersensible Sprache bei Plakaten, Aushängen, Aussendungen,…

Eine freie Uni für Alle heißt vor allem auch einen Freiraum zu schaffen in dem Sexismus, Transphobie, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus,… KEINEN Platz haben!

Diese AG "Frauen und Anti-Sexismus" haben durchaus mit den meisten ihrer Forderungen Recht, aber wie der erste Beitrag darlegt, ist es (auch hier) absurd, Quoten zu fordern. Es ist reichlich verwundlich, daß einige der Meinung sind, Gleichberechtigung würde Gleichschaltung bedeuten.

 Beitrag beantworten  •  Gesamtbeiträge   neueres Thema  •  früheres Thema 

 Themen Name  Datum
 Uni-Besetzung Wien   neu 
 martin 28.10.09 16:31 
 Re: Uni-Besetzung Wien   neu 
 Achim Stößer 28.10.09 17:55 
 Re: Uni-Besetzung Wien   neu 
 martin 28.10.09 21:01 
 Re: Uni-Besetzung Wien   neu 
 Steffen 29.10.09 11:50 
 "gendergerechte" Sprache   neu 
 martin 29.10.09 17:27 
 Re: "gendergerechte" Sprache   neu 
 Steffen 29.10.09 18:13 
 "gendergerechte" Sprache am (falschen) Ende   neu 
 martin 30.10.09 14:53 
 Re: "gendergerechte" Sprache   neu 
 Achim Stößer 01.11.09 15:34 
 Re: "gendergerechte" Sprache   neu 
 Marco 06.06.10 15:04 
 Re: "gendergerechte" Sprache   neu 
 martin 06.06.10 15:38 
 Re: Uni-Besetzung Wien   neu 
 Ricarda 01.11.09 15:45 
 Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Achim Stößer 01.11.09 16:12 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Ricarda 01.11.09 19:33 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Claude 01.11.09 20:43 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Achim Stößer 01.11.09 21:57 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Ricarda 04.11.09 16:42 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Claude 04.11.09 22:09 
 Alles voller Männerbibliotheken   neu 
 Achim Stößer 04.11.09 23:30 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 martin 02.11.09 15:29 
 dürfen und wollen   neu 
 martin 03.11.09 13:49 
 Re: dürfen und wollen   neu 
 Ricarda 04.11.09 16:48 
 Vortragende am Podium sind ausschließlich menschlich   neu 
 Achim Stößer 04.11.09 23:16 
 Re: Vortragende am Podium sind ausschließlich menschlich   neu 
 Achim Stößer 16.11.09 15:53 
 Re: dürfen und wollen   neu 
 martin 05.11.09 08:28 
 Ilse Koch, Heldin des Feminismus?   neu 
 Achim Stößer 16.11.09 16:03 
 Re: Mein Ernst und meine Erna   neu 
 Jay 26.12.09 17:48 
 Bzgl. EKD-Vorsitz + Papst   neu 
 Name 26.02.10 00:05 
 Re: Bzgl. EKD-Vorsitz + Papst   neu 
 martin 26.02.10 15:07 
 Uni-Besetzung Hamburg: Studierende und Schülerinnen   neu 
 Achim Stößer 17.11.09 00:39 
 Rektorats-Besetzung Leipzig   neu 
 martin 28.11.09 20:08 


 Forenübersicht  •  neues Thema  •  nach oben  •  zum Thema  •  Suche  •  Anmelden  •  RSS 
 Beitrag beantworten
 Name:
 Email:
 Spamschutz: Dieser Code muss kopiert werden 
 Titel:
  [b]fett[/b] | [i]kursiv[/i] | [u]unterstrichen[/u] | [quote]Zitat[/quote]
  [url]http://[/url] | [url=http://]Linktext[/url] | [img]Bild[/img]
  Richtlinien sowie Forenbeschreibung und FAQ gelesen?
  Suchfunktion benutzt?
   
Vegan
Tierrechte