Atheismusforum
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 Evolution, Religion, psycholog. Betreuung
Name: martin Permalink: https://tierrechtsforen.de/16/598/606

Datum: 28.02.10 10:16
Dieser Beitrag wurde 1452 mal gelesen

> Es fällt nicht wenigen heute schwer, dem Leben Sinn zu
> verleihen. So auch mir selbst. Das impliziert nicht eine
> Suizidgefahr, schafft aber eine Leere. Dies ist letztlich
> eine meiner hauptsächlichen Fragen.

Sicher, dennoch ist die Flucht in die Selbstbelügung durch Religion für halbwegs intelligente Menschen keine Alternative.

> Wäre ich eine Art
> Supercomputer, machte ich mir wohl keine Gedanken über das
> Danach oder das Warum. Bin ich aber nicht. Leider werde ich
> den Grund für meine Existenz nie erfahren und auch nicht, was
> nach mir/uns sein wird.

Der Grund für deine Existenz ist biologischer Natur.
Was nach dir sein wird, weißt du (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) durchaus, nämlich nichts. Mich wundert nur, warum das Leben nur einen Sinn hätte, wenn man danach weiterleben würde. Ich finde die Vorstellung an ein ewiges Leben eher erschreckend als tröstend.

>
Zitat:
Wenn der Einfluß der Religion gemindert wird, hast du

> durchaus auch jetzt schon etwas davon.

> Na, da bin ich aber gespannt. Welche wären das denn ? Ganz
> konkret.

Keine Belästigung von religiösen Schwachsinn im Alltag (Missionierung, Propaganda, Lärm durch Kirchenglocken/Minarette, Beleidigung als einer Täter-Mentalität angehörend durch Geschichtsverdrehung), Meinungsfreiheit ohne Angst vor Repression durch theistische geprägte Staatsmacht, (wenn man Kinder hat) keine Sorgen um deren Bewahrung vor religiöser Indoktrination haben zu müssen und letztlich allgemein schnellerer Fortschritt, indem Fortschritt nicht mehr blockiert wird.
Religion ist nicht nur eine harmlose Weltanschauung, sondern extrem gefährlich und schädlich. Das ist der Grund, weshalb Atheismus nicht ausreichend und wir daher Antitheisten sind.

>
Zitat:
Gerechtigkeit heißt nicht, daß alle um alle besorgt

> sein müssen.

> Was bedeutet es denn dann ? Es spielt sicherlich keine Rolle,
> wenn ein Einzelner oder eine kleine Gruppe nicht mit den
> gesellschaftlichen Normen einverstanden ist. Ist es vielen
> gleichgültig, wie es anderen ergeht, wird sich das aber auch
> in gesellschaftlichen Konventionen niederschlagen.

Natürlich kann man nicht einfach alle Menschen von umfassendem Altruismus überzeugen. Daher müssen uneinsichtige Personen zur Wahrung der Rechte anderer gezwungen werden.

> Indien beherbergt einige der weltweit größten Slums. Diese
> Armut ist nicht oder nur zu einem kleinen Teil in Religionen
> begründet.

Ob das (religiöse) Kastensystem so unschuldig an den sozialen Unterschieden ist, möchte ich bezweifeln.

> Wenn sich dieser Trend fortsetzt, kann das doch niemand
> ernsthaft als Entwicklung in die richtige Richtung oder
> Durchbruch der Vernunft bezeichnen.

Wie ich sagte: natürlich reicht Atheismus allein nicht aus. Er wird gegenwärtig nicht umsonst mit Humanismus verbunden.

> Ich möchte dir keineswegs Inhumanität vorwerfen, denke aber,
> dass zu häufig übersehen wird, dass das eine das andere
> bedingt. Wir haben hier unter anderem deshalb die Möglichkeit
> uns über o.g. Dinge den Kopf zu zerbrechen, weil diese
> Freiheit ideell und materiell gestützt wird. Müssten wir ums
> Überleben kämpfen, hätten wir andere Sorgen.

Natürlich. Religion abzuschaffen basiert daher auch zu großen Teilen darauf, die Ursachen für Religion (wie Armut) zu bekämpfen.

> Zu was ist der Verstand nützlich ? Kunst ? Technologischer
> Fortschritt ? Fähigkeit zu Mitgefühl ? Das wäre durchweg
> Selbstzweck und ich bezweifle stark den Sinn solcher
> Errungenschaften....wenn sie auf kein Ziel zuführen. Etwas
> schaffen, weil man es schaffen kann ? Nein, der Meinung kann
> ich nicht sein.

Das Ziel evolutionärer Entwicklung ist, wie gesagt, bessere Anpassung an die Umweltbedingungen. Mehr Ziel gibt es nicht und rein eigennützig ist es sicher auch. Wozu der Verstand darüberhin nützlich ist, mußt du selbst entscheiden.

>
Zitat:

> Das geben sie doch zu. Evolution ist die Anpassung an die
> Umweltbedingungen, keine Höherentwicklung per se.

>
> Das klingt aber doch nach "Krone der Schöpfung", ob nun durch
> einen Schöpfer oder durch Zufall. Du siehst den Menschen
> ebenfalls am oberen Ende einer bisherigen Entwicklung.

Natürlich ist der Mensch das intelligenteste Tier (bzw. was Intelligenz betrifft am höchsten entwickelt, bei anderen Fähigkeiten trifft das nicht zu). Das ist schlichtweg eine biologische Tatsache. Die Frage ist, was man daraus macht. Theismus und Speziesismus haben damit ihrer Herrschaftsanspruch und damit Ausbeutungslegitimation über Natur und nichtmenschliche Tiere begründet. Als Antitheist und Antispeziesist begründe ich damit eher Verantwortlichkeit, die z.B. darin besteht, keine Tiere mehr mutwillig umzubringen, da es nicht nötig ist.

> Der Mensch mag intelligenter sein, als jede andere Spezies,
> wobei selbst größte Saurier nicht dumm genug waren, ihren
> Lebensraum dauerhaft zu zerstören. Vielleicht sollte man den
> Begriff der ökologischen Intelligenz einführen und in eine
> Gesamtbilanz einfließen lassen. Schauen wir, an welchem Ende
> wir dann stünden.

Andere Tiere würden unter Garantie auch ihre Grundlage zerstören, wenn sie es könnten. Das einzige, was viele Beutegreifer davon abhält, ihre Beutetiere auszurotten, ist das natürliche Gleichgewicht. Das ist natürlich keine Rechtfertigung für die Handlungen der Menschen, soll aber deutlich machen, daß das Problem darin liegt, den Verstand nicht genug zu gebrauchen, denn der ist für die Überwindung des instinkthaften Egoismus notwendig.

> Es ist mehr eine Befürchtung. Historisch betrachtet bewegen
> wir uns vielleicht nicht gerade im Kreis, aber doch in einer
> Art Korkenzieher mit Schleifen.
> Schlecht durchdacht könnte es heissen: Atheismus =
> Wissenschaft = Vernunft = Aufgeklärtes Zeitalter. Wir
> befinden uns per Definition im Zeitalter der Vernunft (für
> mich unbegreiflich), also: Weiter so ! Weiter so führt aber
> in den Abgrund, ob materiell oder menschlich.

Wenn dir klar ist, daß Atheismus allein nicht ausreichend ist (sondern auch Humanismus, Antirassismus, Antisexismus, Antispeziesismus etc.) notwendig sind, sehe ich den Grund für diese Annahme immer noch nicht.

> Letztlich ist überhaupt nichts beweisbar.

Deshalb arbeitet Wissenschaft auch mit Falsifizierung und "Nicht-Falsifizierheit", statt mit Verifizierung. An der Tatsache, daß es keine übernatürlichen Kräfte gibt, da es keinen Beweis dafür gibt, ändert das nichts.

> Ich bin einfach nicht sicher, ob sich alle Menschen (oder
> auch nur ein signifikant großer Anteil) "im Zaum" halten
> ließe ohne die Drohung eines jüngsten Tages.

Eine imaginäre Gerichtsbarkeit ist definitiv weniger nützlich, als eine faktische ("weltliche"). Nicht zuletzt, weil die erste Mord und Todschlag befielt (zum "guten christlichen Verhalten" siehe Bibel: Ausrottungsandrohungen, HHTG, Sklavereirechtfertigungen etc.).

> Bildung allein
> wird das nicht ändern.

Das hatten wir jetzt schon oft genug: Atheismus ist nicht hinreichend, aber notwendig.

> Was ist wenn jemand krank ist, allein und hilflos ? Wenn
> jemand vom Schicksal (Zufall) gebeutelt nach einem Grund
> sucht.
> Im Moment und seit langer Zeit geben
> Religionsvertreter Halt und Antworten. Wer macht das, wenn es
> solche nicht mehr gibt ? Wer füllt die Lücke und wie (womit)
> ? Vielleicht einer von denen, die "nicht besorgt sein müssen" ?
> Ich hätte dazu schon Einfälle, allerdings keine realistischen.

Religionsvertreter geben vor, Hilfe zu leisten, betreiben in Wirklichkeit aber Missionierung. Zudem beruht das religiöse Konzept auf der Erziehung zu Passivität und Untertänigkeit (Gott hat es so vorgesehen, am muß sich dem Schicksal fügen, wenn man vor schlechten Dingen bewahrt bleiben will, muß man Gott dienen usw.). Säkulare Hilfe basiert auf Eigenverantwortung und Hilfe zur Selbsthilfe. Wenn ein Kind krank ist, gibt es Theisten die für dessen Gesundwerdung beten und es derweil verhungern lassen. Atheisten gehen zum Arzt. Mir ist zweites lieber. Genauso wie es mir lieber ist, wenn mir z.B. ein Psychologe erklären würde, daß der Gehirntumor, an dem einer meiner Verwandten gestorben ist, eine Krankheit ist, der man durch Vorsorgeuntersuchung und Ursachenforschung begegnen muß, anstatt daß mir ein Theist erzählt, es sei Gottes Wille gewesen, man könne nichts dagegen tun, ich solle aber schön in die Kirche gehe (ihr mein Geld geben), Hände falten und Selbstgespräche führen.

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 Themen Name  Datum
 Bitte um Erklärungen   neu 
 Julian Verner 27.02.10 11:18 
 Re: Bitte um Erklärungen   neu 
 Claude 27.02.10 11:46 
 Re: Bitte um Erklärungen   neu 
 Julian Verner 27.02.10 12:54 
 Re: Bitte um Erklärungen   neu 
 martin 27.02.10 14:11 
 Re: Bitte um Erklärungen   neu 
 Julian Verner 27.02.10 17:38 
 Evolution, Religion, psycholog. Betreuung   neu 
 martin 28.02.10 10:16 
 Re: Evolution, Religion, psycholog. Betreuung   neu 
 Julian Verner 28.02.10 18:31 
 Re: Evolution, Religion, psycholog. Betreuung   neu 
 martin 01.03.10 14:26 
 Re: Bitte um Erklärungen   neu 
 martin 27.02.10 13:55 
 Re: Bitte um Erklärungen   neu 
 Julian Verner 27.02.10 18:22 
 Atheismus als Tendenz   neu 
 martin 28.02.10 10:31 
 Re: Atheismus als Tendenz   neu 
 Julian Verner 28.02.10 18:42 
 Re: Atheismus als Tendenz   neu 
 martin 01.03.10 14:33 
 Re: Atheismus als Tendenz   neu 
 Julian Verner 01.03.10 19:32 
 Re: Atheismus als Tendenz   neu 
 martin 02.03.10 14:28 


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