Tierrechtsforum
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 Kritik
Name: Hannes BenneHannes Benne Permalink: http://tierrechtsforen.de/1/7406/9515

Datum: 06.07.11 11:12
Dieser Beitrag wurde 2364 mal gelesen

Lukas sprach mich gestern bezüglich des Singer-Threads an und bat mich seine Reaktion darauf an Martin weiter zu leiten/ ins Forum zu stellen:

Zitat:
"Dieser Beitrag wurde 3717 mal gelesen" -- Traurig! Das sind die schlechten Seiten des Internets, solcher Blödsinn aus dritter, vierter oder fünfter Hand wird dann immer weiterverbreitet. Ich habe schon etlicher Veganer gegen Singer schimpfen gehört, die nicht einmal Ansatzweise(!) Singers Sicht widergeben konnten! Viele haben auf diesen schrecklichen Link verwiesen... Hier die Richtigstellung (von jemandem, der Singers Bücher gelesen hat, was beim Autor dieses Beitrags wohl nicht der Fall ist):

"Peter Singer wird in etlichen Artikeln, Webseiten und Büchern über Veganismus und Tierrechte (naja, meist Tierschutz und "Tierethik") als "Begründer der Tierrechte" und dgl. bezeichnet und immer wieder zu diesen Themen interviewt. Da er allerdings kein "Tierrechtsphilosoph" ist, sondern eben speziesistischer Tierschützer und Unveganer, richtet das immensen Schaden an."

Singer IST ein Gründer der Tierrechtsbewegung, für ihn sind Rechte einfach nicht 'absolut geltend' wie bei Deontologen, trotzdem setzt er sich für Tierrechte ein. Kürzlich wurde er von der Giordano Bruno Stiftung mit dem Ethikpreis für sein Engagement bezüglich 'Grundrechte für Menschenaffen' geehrt, es ist also absurd zu behaupten, dass er sich nicht für Tierrechte einsetzen würde. "Unveganer -- ja, Singer macht Ausnahmen, wenn er sich bei Gästen aufhält. Er rechtfertigt dies, indem er sagt, dass 'auf Extremismus beharren' kontraproduktiv wäre, und er so weniger Leute überzeugen könnte. Hat er Recht? Ich weiss nicht, ich finde es etwas zweifelhaft, aber ihn deshalb als 'Unveganer' zu bezeichnen, auf eine Art, die vermuten lässt, dass damit etwas ganz ganz Böses gemeint ist, ist vollkommen irreführend. Grössenteils lebt Singer nämlich vegan, und er hat sich in seinem Lebenswerk wie nur wenige andere Philosophen für nichtmenschliche Tiere eingesetzt!

Als gefragter Philosoph reist er an viele Kongresse, und manchmal ist es in gewissen Gegenden schwierig, schnell an veganes Essen zu kommen. Dann erlaubt er sich halt manchmal Freilandeier, wenn er in der Welt herumreist um die Leute zu überzeugen, ethischer zu handeln (so ein Bösewicht, oder, wer tun denn sowas?).

"speziesistischer" -- Frechheit! Sowas macht mich wütend, mehr dazu weiter unten.

"Er ist sich zumindest bewußt, daß er nie für Veganismus argumentiert hat - im Gegensatz zu Leuten, die sein Buch zitieren, ohne es gelesen zu haben:"

Komplette Fehlinterpretation, und das 'ohne es gelesen zu haben' ist offensichtlich voll von Ironie. Singer sagt nur, dass das Töten von Tieren nicht grundsätzlich falsch ist. Trotzdem kann man sich für den Veganismus aussprechen, wenn man ihn mit 'Leid verhindern' begründet, und dies hat Singer auch ganz klar und oft getan!

"Und nicht zuletzt rechtfertigt er billigsten Speziesismus mit absurden Argumenten:"

Der Autor dieses Beitrages weiss anscheinend nicht, was Speziesismus ist. Ist es speziesistisch von mir, wenn ich einem Bakterium keine Grundrechte gebe? Nein, das Bakterium ist zwar eine Spezies, trotzdem gibt es RELEVANTE KRITERIEN, die Menschen von Bakterien unterscheiden, z.B. die Empfindungsfähigkeit.

Unsere Gesellschaft erlaubt das Abtreiben von empfindungsfähigen Föten. Ob der Fötus, oder das Baby, innerhalb des Mutterleibes oder ausserhalb davon ist, hat keinen Einfluss auf den Bewusstseinszustand davon. Wenn man also konsequent ist, dürfte man auch nach der Geburt 'abtreiben', solange das Baby von den mentalen Fähigkeiten noch einem Fötus ähnelt. Singer hat jedoch eingesehen, dass dies a) missbraucht werden kann, und b) in der Gesellschaft bei vielen Leuten Wut und Unverständnis hervorrufen würde, deshalb hält er trotzdem fest, dass es Sinn macht, Menschen uneingeschränkt direkt nach der Geburt Rechte zu verleihen.
Aber eben, Singer macht den Unterschied zwischen 'Person' und nur empfindungsfähigen Wesen, und das scheint ja Sinn zu machen! Wenn ein Fötus im Mutterleib abgetrieben wird, ist das ja wohl weniger problematisch, als wenn jemand auf der Strasse einen erwachsenen Menschen erschiesst. Als Atheist solltest Du das sowieso einsehen, Bewusstsein entwickelt sich graduell, es macht nicht einfach *zack* und dann ist eine 'Seele' da.
Jedenfalls, Singer bringt das plausible Argument, dass die Fähigkeit der Selbsterkenntnis, dass man seine eigene Existenz von Vergangenheit bis in die Zukunft versteht, dass man Zukunftspläne und Wünsche hat, ethische Relevanz hat. Ist es wirklich gleich schlimm, wenn jemand eine Ziege tötet, als wenn jemand einen Menschen tötet? Singer scheint einen guten Punkt zu haben... Und weil er eben ein (für ihn?) relevantes Kriterium bringt, ist er sicherlich kein Speziesist! Ausserdem hat man zeigen können, dass Schimpansen und womöglich andere Menschenaffen 'Voraussicht' und Selbsterkenntnis besitzen. Und siehe da: Singer will ihnen Rechte geben. Das ist gut und vollkommen konsequent. Wer sagt, Singer sei ein Speziesist, ist entweder ein Idiot, oder jemand, der seine Werke nicht einmal annähernd gelesen hat, und sich nur auf irgendwelche Interviewpassagen ohne Kontext bezieht.

Und schlussendlich noch das absurdeste Beispiel:

[So Singer takes on Kant for arguing that "humans have an inherent dignity that makes them ends in themselves, whereas animals are mere means to our ends".

(So argumentiert Singer mit Kant, dass "Menschen eine inhärente Würde haben, die einen Selbstzweck darstellt, wogegen Tiere nur Mittel für unsere Bedürfnisse sind".)]

Das ist schlichtweg falsch übersetzt. Eigentlich hiesse es "Also widerspricht Singer Kant, welcher argumentiert, dass Menschen eine inhärente Würde haben, welche ihnen einen 'Selbstzweck' gibt, während dem Tiere nur Mittel zu unseren Zielen sind."

Also sagt Singer gerade das Gegenteil, im Gegensatz zu Kant ist er dafür, das Tierwohl auch zählt! So eine Sauerei, das ist doch Rufmord....

Nochmals '3717 mal gelesen', wie oft wurden diese Argumente weiterverbreitet, ohne dass man die Fakten überprüft hat? Einfach nur traurig sowas.

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